Es gibt zwei wichtige Arten von Beweisen: direkte Beweise und indirekte Beweise (auch Widerspruchsbeweise genannt).
Direkter Beweis
Beim direkten Beweis wird der zu beweisende Satz
direkt bewiesen. Dies bedeutet, dass man mit den Voraussetzungen von
beginnt und aus diesen die zu beweisende Aussage direkt durch logische Schlussfolgerungen herleitet. Ein direkter Beweis nimmt also folgende Form an:
Beispiel
Betrachten wir ein Beispiel. Stelle dir vor, wir müssen den Satz
„Die Summe von drei aufeinanderfolgenden natürlichen Zahlen ist durch 3 teilbar.“
beweisen. Dieser Satz lässt sich folgendermaßen als Implikation formulieren:
„Wenn
eine natürliche Zahl ist, dann ist
durch 3 teilbar.“
In dieser Implikation ist „
ist eine natürliche Zahl“ die Prämisse und „
ist durch 3 teilbar“ die Konklusion. Ein direkter Beweis hätte also folgende Form:
Ein solcher Beweis könnte so aussehen (Implikationen der logischen Schlussfolgerungen sind orange):
Anstatt deinen Beweis so wie obigen zu strukturieren, kannst du ihn auch als Fließtext schreiben (dies ist meistens kompakter):
Widerspruchsbeweis
Neben dem direkten Beweis gibt es eine zweite Art des Beweises, den Widerspruchsbeweis oder indirekten Beweis. Wenn du einen mathematischen Satz
indirekt beweisen möchtest, so führst du seine Negation
durch logische Schlussfolgerungen zu einem Widerspruch. Dabei nenne ich im Folgendem
Widerspruchsannahme. Ein Widerspruchsbeweis hat also folgende Form:
Um einen Widerspruchsbeweis erfolgreich durchzuführen, musst du zunächst den zu beweisenden Satz
richtig negieren. Wie du dies machen kannst, kannst du im Abschnitt „Aussagen negieren“ nachlesen.
Doch wie haben wir den Satz
bewiesen, wenn wir die Widerspruchsannahme
zu einem Widerspruch geführt haben? Wenn du die Widerspruchsannahme
zu einem Widerspruch geführt hast, so weißt du, dass
falsch sein muss, also
ist. Damit ist die doppelte Verneinung
von
wahr (
). Nun ist
eine Tautologie, was du an folgender Wahrheitstabelle erkennst:
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Da
eine Tautologie ist, ist
dann und nur dann wahr, wenn
wahr ist (siehe Definition der Äquivalenz). Wir haben durch den Widerspruchsbeweis bewiesen, dass
wahr ist (da
falsch ist). Damit muss aber wegen obiger Tautologie
wahr sein. Genau dies ist zu zeigen, wenn wir den Satz
beweisen wollen.
Beispiel
Stelle dir vor, wir wollen den Satz
„Die Summe von drei aufeinanderfolgenden natürlichen Zahlen ist durch 3 teilbar.“
durch einen Widerspruchsbeweis beweisen (diesen Satz haben wir bereits oben direkt bewiesen). Diesen Satz können wir als Implikation definieren:
„Wenn
eine natürliche Zahl ist, dann ist
durch 3 teilbar.“
Um diese Implikation indirekt zu beweisen, müssen wir zunächst die Widerspruchsannahme formulieren, also die obige Implikation negieren. Wir erhalten:
Widerspruchsannahme: „
ist eine natürliche Zahl und
ist nicht durch 3 teilbar.“
Diese Annahme müssen wir nun durch logische Schlussfolgerungen zu einem Widerspruch führen. Eine solche Herleitung könnte so aussehen:
Auch diesen Beweis kannst du in einem Fließtext schreiben:
Widerspruchsannahme: Sei
eine natürliche Zahl und
nicht durch 3 teilbar. Wegen
ist
nicht durch 3 teilbar. Damit ist
keine natürliche Zahl, da, wenn
eine natürliche Zahl wäre, so wäre
durch 3 teilbar. Wenn
keine natürliche Zahl ist, ist auch
keine natürliche Zahl. Dies ist aber ein Widerspruch dazu, dass
nach Widerspruchsannahme eine natürliche Zahl ist ↯.