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Konstruktion topologischer Räume
Topologische Summe
- Sei
eine beliebige Indexmenge und
eine Familie paarweise disjunkter topologischer Räume. Die topologische Summe
ist die Vereinigung
mit der folgenden Topologie
: Eine Teilmenge
gehört genau dann zu
, wenn für jedes
der Durchschnitt
zu
gehört.
- Falls die Mengen
nicht disjunkt sind, kann man sie aber dadurch disjunkt machen. dass man einfach den Index mit "dazu schreibt": Aus der Menge
wird dann die Menge
, die aus den Punkten
besteht. Die Topologie auf
besteht aus den Mengen
, für die
offen in
ist.
Produkttopologie
- Sei wieder
eine beliebige Indexmenge und
eine Familie topologischer Räume. Das Mengenprodukt
der
ist diejenige Menge, deren Punkte
aus Familien von Punkten
bestehen. Ein einzelner Punkt
aus der Familie
heißt
-te Koordinate von
. Im Fall einer endlichen Indexmenge
ist das Produkt gegeben durch die
-Tupel
und die Koordinaten sind die einzelnen
. Für jedes
ist die
-te Projektion
gegeben durch
, der Punkt
wird also auf die
-te Koordinate abgebildet. Die Produkttopologie
auf
ist gegeben durch die Basismengen der Form
wobei
offen in
und
für nur endlich viele
ist. Der Raum
versehen mit der Produkttopologie
ist das topologische Produkt der Familie
.
- Im Fall
bilden die Mengen
die Basis des Produktes.
- Die Produkttopologie ist die Initialtopologie auf
bezüglich der Projektionen.
Quotiententopologie
- Sei
ein topologischer Raum. Weiter sei ~ eine Äquivalenzrelation R auf
. Das heißt
- für je zwei Punkte
ist entweder
~
oder
,
- aus
~
folgt
~
,
- aus
~
und
~
folgt
~
.
- Für
ist die Äquivalenzklasse
definiert als die Menge aller
mit
~
.
- Man kann nun die Menge
als die Menge aller Äquivalenzklassen definieren. Man hat eine kanonische Projektion
. Die Quotiententopologie
besteht aus den Mengen
, für die das Urbild
offen in
ist. Die Menge
versehen mit der Quotiententopologie heißt Quotientenraum oder auch Faktorraum von
bezüglich der Äquivalenzrelation
.
- Die Quotiententopologie ist die Identifizierungs- oder auch Finaltopologie auf
bezüglich der Projektion.
- Beispiel: Auf dem Intervall I = [a,b] sei die Äquivalenzrelation R gegeben durch a ~ b, d.h. nur die Endpunkte sind äquivalent. Der Quotientenraum I/R ist dann die 1-Sphäre
. Bildlich ausgedrückt entsteht aus dem Intervall durch Verkleben der Endpunkte ein Kreis.
Zusammenkleben
- Mit Hilfe der Quotiententopologie kann man ähnlich dem obigen Beispiel ein Verfahren angeben, wie man topologische Räume zusammenkleben kann. Sind
und
disjunkte topologische Räume und
eine Abbildung von einer abgeschlossenen Teilmenge
von
nach
, so klebt man
und
an der Teilmenge
zusammen, indem man die Punkte von
mit den Bildpunkten
identifiziert. Dieses Verfahren wird unter Anderem zur Konstruktion von speziellen Räumen benutzt, die in der algebraischen Topologie untersucht werden. Doch zunächst einmal formulieren wir die genaue Definition.
| Definition: Zusammenkleben von Räumen
|
Seien disjunkte topologische Räume, eine abgeschlossene Teilmenge von und eine Abbildung. Auf der topologischen Summe sei die Äquivalenzrelation R gegeben durch

Der durch Zusammenkleben von und mittels entstandene Raum, geschrieben , ist dann der Quotientenraum .
|
- Kegel:
- Sei
ein topologischer Raum,
das Einheitsintervall und
ein topologischer Raum mit nur einem Punkt. Sei weiter die Teilmenge
des Produktes
gegeben durch
und die Abbildung
durch
für
. Durch das Zusammenkleben von
mit
vermöge
entsteht der (topologische) Kegel über
mit Spitze
.
- Die ganze Teilmenge
wird auf den Punkt
geklebt.
- Einhängung:
- Sei wieder
ein topologischer Raum,
das Einheitsintervall und
der topologische Raum mit zwei Punkten und der diskreten Topologie. Die Teilmenge
des Produktes
sei gegeben durch
. Die Abbildung
sei definiert durch
für
und
für
. Durch das Zusammenkleben von
mit
vermöge
entsteht die Einhängung
von
.
- Die Einhängung ist sozusagen ein doppelter Kegel, der "obere" Rand
wird auf den Punkt
, und der "untere" Rand
auf den Punkt
geklebt.
- Die folgenden Räume werden jeweils aus einem Quadrat durch Verkleben der Seiten zusammengebastelt. Dazu sei für die folgenden Beispiele das Quadrat durch den Raum
gegeben.
- Möbiusband:
- Dieser Raum entsteht, indem man zwei gegenüberliegende Kanten eines Quadrats "verkehrt herum" zusammenklebt.
- Die Teilmenge
sei gegeben durch
, also die "obere" und die "untere" Kante des Quadrats. Weiter sei
das Intervall von -1 bis 1, und die Abbildung
sei gegeben durch
.
- Der durch Verkleben vermöge
entstandene Raum
ist das Möbiusband.
- In den nächsten Beispielen ist die Teilmenge
, der Rand des Quadrates, gegeben durch
.
- Sphäre:
- Die 2-Sphäre erhält man durch Verkleben des ganzen Randes des Quadrats auf einen Punkt.
- Sei
mit der diskreten Topologie. Die Abbildung
sei gegeben durch
für alle
. Der durch Verkleben vermöge
entstandene Raum
ist homöomorph zur 2-Sphäre
.
- Einen Homöomorphismus kann man wie folgt konstruieren. Zunächst ist das Quadrat homöomorph zur Kreisscheibe
vermöge der Abbildung
.
- Die Umkehrabbildung ist gegeben durch
.
- Anstelle des Quadrates kann man also genauso gut die Kreisscheibe
vermöge der Abbildung
zu dem Raum
zusammenkleben. Wir betrachten nun die Scheibe
in Polarkoordinaten. Dazu sei für jeden Punkt des
der Abstand vom Nullpunkt und
der Winkel von
gegenüber der
-Achse. Dann läßt sich jeder Punkt des
in den Koordinaten
darstellen mit
und
. Die Punkte der Scheibe
sind dann gegeben durch die Punkte
mit
und
.
- Für einen festen Winkel
kann man den Radius bijektiv auf einen Halbkreis abbilden durch
, wobei
und
. Setzt man dies für alle Winkel zu einer Abbildung in den
zusammen, so erhält man durch

- eine stetige Abbildung
, die den Mittelpunkt
von
auf den Südpol
und den Rand
auf den Nordpol
abbildet. Dabei ist
nach Konstruktion bijektiv auf
. Der Abbildung
entspricht nun eine Abbildung
mit
und
sonst. Diese Abbildung ist wohldefiniert, denn für
besteht die Äquivalenzklasse
nur aus dem Punkt
, und für
besteht
zwar aus der Menge
, aber diese Menge wird auf den Nordpol
abgebildet. Da
auf dem Inneren der Scheibe bijektiv ist, folgt, daß
bijektiv ist. Die Stetigkeit von
folgt aus der Definition der Quotiententopologie. Die Existenz einer stetigen Umkehrabbildung sei dem Leser als Übung überlassen. 
- In den nächsten zwei Beispielen wird der Rand des Quadrates auf die Figur 8, das sind zwei an einem Punkt zusammenhängende Kreise, geklebt. Formal ist die Figur gegeben durch
.
- Torus:
- Die Ringfläche entsteht aus dem Quadrat durch Zusammenkleben der gegenüberliegenden Seiten.
- Sei
die Figur 8 wie oben beschrieben und
gegeben durch
.
- Dann erhält man den Torus
durch Verkleben von
und
vermöge
, also
.
- Kleinsche Flasche:
- Sei wieder
die Figur 8 und
gegeben durch
.
- Dann erhält man die Kleinsche Flasche
durch Verkleben der beiden senkrechten Seiten von
und verdrehtes Verkleben der waagerechten Seiten an die Figur 8.
- Projektive Ebene:
- Der Vollständigkeit halber sei noch die projektive Ebene erwähnt, die man durch verdrehtes Verkleben der jeweils gegenüberliegenden Seiten von
erhält.
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