Philosophen über Ästhetik/ Joachim Stiller

Kunst, Kunstkritik und ästhetischer Subjektivismus bei Joachim Stiller

Über die Kunst

Zunächst einmal die Frage nach de Kunst: Was ist Kunst? Allein auf diese Frage gab und gibt es mindestens so viele Antworten, wie es Menschen gibt. DuMont hat einmal ein kleines Bändchen herausgegeben, in dem über 1000 Definitionen und Erklärungen aus allen Zeiten und Epochen zusammengetragen waren. Eine weit verbreitete Vorstellung, nicht zuletzt im Mittelalter, war die Kunst käme von Können. So sah sich beispielsweise Michelangelo nicht als Künstler, sondern ausschließlich als Handwerker. Aber im Zuge der Modernen Emanzipation der Kunst von der bloßen Natur verliert sich die rein handwerkliche Qualität der Kunst. Es kommt zu einer geradezu einzigartigen Entwicklung moderne Stilrichtungen und Techniken. Kunst kommt nun nicht mehr von Können, sondern von "Gestalten". Kunst wird somit der Prozess, etwas Bildhaftes in einem eigenen kreativen, schöpferischen Gestaltungsprozess darzustellen. Als ich einmal einen jungen Mann während eines Krankenhausaufenthaltes danach fragte, was denn seiner Meinung nach Kunst sei, so sagte er in etwa: "Kunst ist die Manifestation des Bildhaften". Ich habe nicht den Schimmer einer Ahnung, wer das Gesagt hat, aber etwas Großartigeres und Phantastischere kann man über die Kunst praktisch gar nicht sagen. "Kunst ist die Manifestation des Bildhaften." Und dann kann auch klar werden, was denn Kunst mit Philosophie zu tun hat. Kunst in dem obigen Sinne, ist praktisch immer philosophisch. Zumindest mehr oder weniger. In dem gleichen Sinne ist sie etwa auch politisch. Und ich meine jetzt nicht nur die reinen Kunstformen, wie philosophische Kunst oder politische Kunst, sondern ich meine das generell. Kunst stellt nicht selten Themen, Bilder oder Paradigmen der Philosophie dar (oder eben der Politik). Andererseits lädt sie, zumindest wenn sie was auf sich hält, und nicht einfach nur zerstört (das gibt es ja leider auch) auch zum Selber denken, Weiterdenken und Philosophieren ein. Kunst, Philosophie und Politik sind so etwas, wie heimliche Geliebte, möchte ich einmal sagen. Sie befruchten sich gegenseitig.

Über das Schöne

Etwas ganz anderes hingegen ist es mit der Ästhetik, also der Frage danach, was denn Schön ist (nicht zuletzt in der Kunst) und was von den Menschen warum als schön empfunden wird. Es ist praktisch die Frage nach dem Begriff der Schönheit an sich. Nun könnte man ja einmal bei Platon suchen. Man sollte davon ausgehen dürfen, dass Platon etwa nach der "Idee des Schönen" gesucht hat. Wenn man aber den Dialog der Sokrates zur Idee der Schönheit liest, wird man enttäuscht. Sokrates räumt am Ende ein, dass er die Idee des Schönen nicht gefunden hat. Gibt es am Ende gar keine Idee des Schönen? Ist Schönheit vielleicht am Ende gar nicht objektivierbar? Als ich daraufhin ein Lehrbuch der Ästhetik las, wurde ich auch mit dem sogenannten Geschmacksurteil bekannt. Schönheit, also die Frage, was von den Menschen als schön angesehen wird, und was nicht, scheint in erster Linie reine Geschmackssache zu sein. Und, die Geschmäcker sind verschieden. Darum auch der Ausspruch: Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Warum? Weil ich meinen eigenen Geschmack einfach niemand anderem begreiflich machen kann, es sei denn, er oder sie hat ohnehin einen mindestens ähnlichen Geschmack. Das ist natürlich ein radikaler Subjektivismus. Man könnte es auch einen ästhetischen Individualismus nennen. Und in der Tat bildet gerade die Subjektivität und Verschiedenheit des eigenen Geschmacksurteils die Grundlage unseres heutigen Individualismus. Man kann also, das ist inzwischen meine ganz tiefe Überzeugung, niemals einen irgendwie objektiven Maßstab finden für das, was schön genannt wird. Man kann die Ästhetik also immer nur auf die Grundlage des eigenen subjektiven Empfindens (hier: ästhetisches Empfinden) stellen. Genau so, wie die Logik nicht aus der Logik begründet werden kann, sondern nur aus dem logischen Empfinden, und genau so, wie es niemals einen objektiven Maßstab für die Ethik geben wird, und auch die Ethik einzig und allein im eigenen ethischen Empfinden urständet, genau so gründet sich die Ästhetik einzig und allein auf dem ästhetischen Empfinden. Mit anderen Worten: Schön ist, was gefällt. Punkt. Ende. Aus. Das ist natürlich ein absolut radikaler Subjektivismus, aber für mich selber einfach der wahre Schlüssel zum Menschen und zu Gott, denn am Ende sehe ich darin einen (sensualistischen) Gottesbeweis.

Aphorismen zur Kunst und zur Ästhetik

  • Es gibt zwei Arten von Kunst: Die klassische Gestaltungskunst (Kunst 1) und die soziale Kunst (Kunst 2). Die klassische Gestaltungskunst gestaltet ein konkretes Kunstwerk, die soziale Kunst hingegen gestaltet das soziale Leben.
  • Nicht alles ist Kunst. Manipulation ist „keine“ Kunst. Manipulation ist Antikunst. Alles ist Kunst ist also im besten Fall ein Postulat. Das ist mir ganz wichtig.
  • Kunst kommt weniger von Können, als vielmehr von Gestalten.
  • Kunst ist, was man vorzeigen kann.
  • (Bildende) Kunst ist die Manifestation des Bildhaften.
  • Kunst strebt immer nach dem Idealen.
  • Beuys war ein Alchemist des Ästhetischen.
  • Schön ist, was gefällt. Mehr lässt sich meines Erachtens nicht über das Schöne sagen.
  • Ich vertrete in Bezug auf die Ästhetik ein reines Geschmacksurteil. Und dieses ist rein subjektiv. Insofern hat Kant unrecht, wenn er behauptet, das Geschmacksurteil, und somit auch das ästhetische Urteil, sei intersubjektiv.
  • Kunst ist immer Ausdruck des ganzen Menschen.
  • Kunst meint immer den ganzen Menschen.
  • Kunst geht immer auf den ganzen Menschen.
  • Kunst ist immer Ausdruck des allgemein Menschlichen.
  • Kunst meint immer das allgemein Menschliche.
  • Kunst geht immer auf das allgemein Menschliche.
  • Kunst geht immer auf das Ideale.
  • Kunst ist Authentizität.
  • Kunst = Authentizität.
  • Die Kunst ist abstrakt.
  • Die Kunst ist ein Produkt des Menschen. (Friedrich Schlegel)
  • Kunst kann man lernen, ... (Joseph Beuys)
  • Kunst ist Schöpfung. (Dieter Körber)
  • Kunst ist Schöpfung, Schöpfung des Menschen.
  • Die Kunst ist eine schöpferische Tätigkeit. (Wladimir Tartakiewicz)
  • Kunst ist schöpferisches Hervorbringen. (Hans Otto Roecker)
  • Kunst ist immer Ausdruck von Kreativität.
  • Denn Kunst ist nichts anderes, als Gestaltung mit beliebigem Material (Kurt Schwitters)
  • Kunst ist Gestaltung. (Ottomar Dominick)
  • Kunst = Gestaltung.
  • Die Kunst ist der Kultus des Schönen. (Charles Baudelaire)
  • Die Kunst ist affirmativ.
  • Es gibt gute Kunst und es gibt schlechte Kunst.
  • Es gibt Kunst und es gibt Antikunst.
  • Die Kunst ist schwer.
  • Jeder Mensch ein Künstler. (Joseph Beuys)
  • Jeder Mensch ist ein Künstler. (Joseph Beuys)
  • Die Geschmäcker sind verschieden.
  • Die Geschmäcker sind eben verschieden.
  • Die Geschmäcker sind einfach verschieden.
  • Schönheit liegt im Auge des Betrachters.
  • Es gibt auch eine Schönheit des Hässlichen.
  • Schönheit ist das, was macht, dass einem etwas oder jemand gefällt.
  • Schönheit ist der Grund, warum einem etwas oder jemand gefällt.
  • Schön ist das, was das Herz tanzen lässt.
  • Geschmacksurteile sind rein subjektiv.
  • Geschmacksurteile sind rein subjektiv, und nicht verallgemeinerbar.
  • Geschmacksurteile sind rein subjektiv und - anders als Kant dache – nicht verallgemeinerbar.
  • Man kann sich in seinem ästhetischen Urteil auch mal irren.
  • Die ästhetischen Maßstäbe sind rein subjektiv.
  • Ich bin ein ästhetischer Subjektivist.
  • Ich bin ästhetischer Subjektivist.

Verwendete Begriffe

  • Ästhetischer Subjektivismus
  • Schön ist, was gefällt
  • Geschmacksurteil
  • Geschmack
  • Kunst
  • Kunstkritik

(Dieser Artikel stammt von Joachim Stiller und ist komplett gemeinfrei)