Definition: Logische Aussage-Operationen
Hierbei sind im Folgenden ausschließlich extensionale logische Aussage-Operationen gemeint, also solche, deren Wahrheitsgehalt ausschließlich vom Wahrheitswert der Eingänge abhängt, aber nicht von deren Inhalt.
Weiterhin bedeutet 0 = FALSCH, 1 = WAHR.
einstellige Aussage-Operationen
Negation ( )
|
| x
|
NOT(x)
|
| 0
|
1
|
| 1
|
0
|
zweistellige Aussage-Operationen
Disjunktion ( )
|
| x
|
y
|
OR(x,y)
|
| 0
|
0
|
0
|
| 1
|
0
|
1
|
| 0
|
1
|
1
|
| 1
|
1
|
1
|
|
Konjunktion ( )
|
| x
|
y
|
AND(x,y)
|
| 0
|
0
|
0
|
| 1
|
0
|
0
|
| 0
|
1
|
0
|
| 1
|
1
|
1
|
|
Implikation ( )
|
| x
|
y
|
IMPL(x,y)
|
| 0
|
0
|
1
|
| 1
|
0
|
0
|
| 0
|
1
|
1
|
| 1
|
1
|
1
|
|
Äquivalenz ( )
|
| x
|
y
|
NXOR(x,y)
|
| 0
|
0
|
1
|
| 1
|
0
|
0
|
| 0
|
1
|
0
|
| 1
|
1
|
1
|
|
Antivalenz ( )
|
| x
|
y
|
XOR(x,y)
|
| 0
|
0
|
0
|
| 1
|
0
|
1
|
| 0
|
1
|
1
|
| 1
|
1
|
0
|
|
Definition: Bool'sche Algebra
Ein Tripel
bestehend aus einer Trägermenge
sowie den Verknüpfungen
(ODER),
(UND) bezeichnet man als Bool'sche Algebra, falls folgende Axiome erfüllt sind :
- Abgeschlossenheit :

- Kommutativität :

- Assoziativität :

- Distributivität :

- Neutrale Elemente :

- Inverse Elemente :

Korollar: Idempotenzgesetz
Aus den obigen Axiomen lässt sich ein weiteres, für die technische Implementierung Bool'scher Funktionen äußerst wichtiges Gesetz ableiten :

Der Beweis über eine Wertetabelle ist jedoch erheblich einfacher und, da es sich um diskrete Mengen handelt auch vollkommen legal.
Korollar: Reduktionsgesetz
Des weiteren gilt das Reduktionsgesetz :

Auch hier ist der Beweis über eine Wertetabelle möglich, er kann - und sollte - aber auch axiomatisch durch logisches Schlussfolgern erfolgen.
Korollar: Eindeutigkeit des Inversen Elementes
Da jede Variable/jedes Literal genau ein Inverses Element besitzt, ist das Inverse des Inversen wieder das Ausgangselement, formal :

Definition: Bool'sche Funktion
Eine Bool'sche Funktion
bezeichnet die Abbildung
.
Hat eine Bool'sche Funktion
Variablen, so besitzt sie insgesamt
Funktionswerte.
Hierbei ist die folgende Schreibweise bei Funktionsanwendung der Funktion
üblich :


Lemma: Literal
Unter einem Literal versteht man eine eingebettete Funktionsanwendung auf genau eine Variable. In der Bool'schen Algebra besteht die Menge der Literale
einer Variablen
aus der Identität sowie Inversion dieser Variablen, etwas formaler ausgedrückt :

Definition: Bool'sches Funktional
Nach Einführung des Literal-Begriffs ist es nun möglich die Funktionaldefinition, also die Definition einer Funktion, welche auf Mengen operiert, vorzunehmen.
Ein Bool'sches Funktional
bezeichnet die Abbildung
.
Folglich gibt es genau
verschiedene Funktionen und
verschiedene Funktionswerte der Variablenanzahl
.
Analog der Funktionsbezeichnung verwendet man üblicherweise für Bool'sche Funktionalanwendung der Art
:


Definition: Vollständiges Operatoren-System
Ein Operatorensystem ist genau dann vollständig, falls Negation, Konjunktion, sowie Disjunktion darstellbar sind.
Andere Bool'sche Operationen werden hierbei durch Anwendung auf eine Konstante, welche vorher ausgewertet werden muss, eliminiert:




|




|




|
Definition: Shannon'scher Inversionssatz
Essentiell für die Konvertierung konjunktiver/disjunktiver Normalformen ist der Shannon'sche Inversionsatz.
Dessen einfache Fassung lautet:


Er lässt sich jedoch auch für beliebige Anzahl von Literalen erweitern:


Ein technisch einfach zu realisierendes und von daher sehr wichtiges Operatorensystem ist das NAND-System. Folgender Abschnitt beschreibt die Herleitung der essentiellen Operationen:
Die Negation ist durch Anwendung des Idempotenzgesetzes recht schnell gezeigt :
Dies ist durch Eindeutigkeit des Inversen Elements, Anwendung des Shannon'schen Inversionssatzes, sowie der Idempotenz einfach hergeleitet:
Analog verhält es sich bei der Konjunktion:
Ebenfalls einfach zu realisieren sind NOR-Systeme. Nachgewiesen werden die notwendigen Eigenschaften mit Idempotenz, Shannon'schen Inversionssatz, sowie der Eindeutigkeit des Inversen Elements: