*þeudiskaz

*þeudiskaz [ˈθeu̯ðis̠kɑz̠] (*þeudō urgermanisch für „Volk, Gruppe“, *-iskaz adjektivbildendes Suffix, wörtlich: „volklich“ bzw. „zum Volk gehörig“) ist ein rekonstruiertes urgermanisches Wort, aus dem unter anderem das Wort deutsch hervorgegangen ist. Ursprünglich bedeutete *þeudiskaz, in seiner nordwestgermanischen Form *þeudisk, die bis zum 11. Jahrhundert ausschließlich in lateinischen Texten als theodiscus überliefert wurde, „volkstümlich“ oder „nicht-Latein“. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus die Bedeutung „(west)germanisch“. Die spätere Begriffsentwicklung führte zur Herausbildung mehrerer moderner Morpheme, darunter das deutsche Endonym „Deutsch“, die niederländischen Wörter Duits und Diets, das englische Wort Dutch sowie zahlreiche weitere historische und zeitgenössische Formen in unterschiedlichen Sprachen.

Der entsprechende urgermanische Gegenbegriff war *walhaz („fremd“ oder „Fremder“).

  1. Heinz Thomas: Der Ursprung des Wortes Theodiscus. In: Historische Zeitschrift. Band 247, Nr. 1, 1988, S. 297–310.
  2. 1 2 Wolfgang Haubrichs: Theodiscus, Deutsch und Germanisch – drei Ethnonyme, drei Forschungsbegriffe. In: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.): Zur Geschichte der Gleichung „germanisch-deutsch“. Sprache und Namen, Geschichte und Institutionen (= Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 34). De Gruyter, Berlin 2004, S. 199–228.