Afrikanische Kunst
Afrikanische Kunst bezeichnet die Kunst des subsaharischen Afrikas, die sich – wie auch die übrige afrikanische Kultur – vom berberisch bzw. arabisch beeinflussten Norden des Kontinents, den Staaten des Maghrebs, unterscheidet. Afrikanische Kunst umfasst die künstlerische Produktion vieler sehr verschiedener Ethnien. Aufgrund der sozialen Strukturen Afrikas, die hauptsächlich kulturelle Gegenstände aus Holz oder anderen natürlichen Materialien hervorbrachten, der klimatischen Bedingungen sowie einer Umwelt, die Termiten und andere Schädlinge begünstigt, sind relativ wenige historischen Objekte der traditionellen afrikanischen Kunst Arten von überliefert. Die afrikanische Kunst ist so vielfältig wie die dafür verwendeten Materialien. Hinsichtlich der Verbreitung der Materialien gibt es große Unterschiede. Skulpturen können aus Holz, Keramik, Metall oder wie die berühmten Shona-Skulpturen in Naturstein gearbeitet sein. Holz- und Steinskulpturen sind ausschließlich bei bäuerlichen Kulturen, nicht jedoch bei Jägern und Sammlern oder Hirtennomaden verbreitet. Für die Kleidung werden viele verschiedene textile Materialien verwendet wie Kitenge, Mud- und Kentestoff. Auch ist das Töpfern in vielen Regionen eine weitverbreitete Handwerkskunst.
Da die künstlerisch gestalteten Werke des damals kolonisierten Kontinents erst seit des 20. Jahrhunderts in Europa als Objekte „authentischer Kulturen“ geschätzt, erforscht und vor allem gesammelt werden, sind die meisten Werke in den Museen und Sammlungen innerhalb wie außerhalb Afrikas sowie auf dem Kunstmarkt mit wenigen Ausnahmen nicht älter als 150 Jahre.
Heute überholte, diskriminierend klingende Begriffe wie Primitivismus, Negerplastik (Carl Einstein) oder (in Frankreich) art negre waren affirmative Schlagworte der Klassischen Moderne, die sich die abstrahierten Formen und die exotische Aura der afrikanischen Objekte zum Vorbild nahm.
Nach dem Ersten Weltkrieg ging das Interesse an den ästhetischen Qualitäten der afrikanischen Kunst und ihre Vorbildwirkung für die europäischen Expressionisten in dem Maße zurück, in dem die einsetzende ethnologische Forschung die Kunstwerke vor allem als funktionale Elemente der „materiellen Kultur“ betrachtete. Erst mit der Dekolonisierung seit den 1960er Jahren traten die ästhetischen Aspekte wieder in den Vordergrund, sofern sie nicht durch gesellschaftspolitische Debatten überlagert wurden.