Agoge
Als die Agoge (altgriechisch ἀγωγή agogé „Leitung, Führung, Erziehung“) wird das durch seine Strenge bekannte Erziehungssystem Spartas bezeichnet, das ein wichtiger Bestandteil des spartanischen Staates war. Alle männlichen spartanischen Staatsbürger, mit Ausnahme der vom König abstammenden, mussten ein körperlich anspruchsvolles Training absolvieren. Antike Autoren wie Platon, Xenophon oder Isokrates sahen in dieser Erziehung den Grund für Spartas militärischen Erfolg.
Diese Erziehung umfasste hauptsächlich das militärisch strukturierte Training im Jagen, Tanzen und der sozialen Umgangsweise, aber auch die Trennung der Familien und die Pflege und Kultivierung der Treue innerhalb einer Gruppe. Sie wurde angeblich vom halb-mythologischen spartanischen Gesetzgeber Lykurgos eingeführt, doch wurde sie erst später, zwischen dem 7. und 6. Jahrhundert v. Chr., zum Trainieren von Jungen im Alter von sieben bis zwanzig Jahren angewandt.
Das Ziel dieses Erziehungssystems war es, der spartanischen Armee körperlich und moralisch gefestigte Männer zur Verfügung zu stellen. Jeder junge Mann in Sparta, der einzigen Stadt ohne Verteidigungsmauern, der zur „Mauer Spartas“ gehören wollte, musste sich an die harten Regeln des Lykurgos halten. Die jungen Männer förderten sich ebenfalls, indem sie sich gegenseitig ermutigten und auch gegeneinander kämpften, um bestimmen zu können, wer der Stärkste in der Gruppe sei.
- ↑ Paul A. Cartledge: Literacy in the Spartan Oligarchy. In: The Journal of Hellenic Studies. Band 98, 1978, S. 25–37, hier S. 28–29; Paul A. Cartledge: Agesilaos and the Crisis of Sparta. Duckworth, London 1987, S. 24; Stefan Link: Der Kosmos Sparta. Recht und Sitte in klassischer Zeit. WBG, Darmstadt 1992, S. 60; Markus Handy: Agesilaos. Zu den Handlungsspielräumen eines spartanischen Königs. In: Christian Bachhiesl, Markus Handy, Peter Mauritsch, Werner Petermandl (Hrsg.): Gier, Korruption und Machtmissbrauch in der Antike (= Antike Kultur und Geschichte. Band 20). LIT, Wien 2019, S. 445–500, hier S. 468.