al-Fārābī
Abū Nasr Muhammad al-Fārābī (arabisch أبو نصر محمد الفارابي, DMG Abū Naṣr Muḥammad al-Fārābī), kurz al-Fārābī (auch al-Farabi), gelegentlich auch Fārābī oder Alfarabi, latinisiert Alpharabius oder Avenassar (geboren vermutlich um 872 in Otrar, Siebenstromland; gestorben 950 zwischen Aschkelon und Damaskus, Syrien) war ein arabischsprachiger Philosoph und Gelehrter aus Zentralasien, der sich neben Philosophie auch mit Medizin und Astronomie beschäftigte.
Während über sein frühes Leben nur wenig bekannt ist, wirkte al-Farabi später in Baghdad, wo er Unterricht bei Vertretern der sogenannten Baghdader Schule nahm, einer Gruppe von Aristotelikern, die antike Texte kommentierten und ins Arabische übersetzten. Sein Großes Buch der Musik gilt als grundlegend. Al-Farabi beschrieb die verschiedenen Instrumente, Modi und Intervalle. Zudem nahm er eine Gliederung der Musik in verschiedene Unterbereiche vor. In der Medizin kritisierte al-Farabi den griechischen Arzt Galen, der angenommen hatte, dass mehrere Organe den Körper steuern, und stellte stattdessen das Herz als einziges steuerndes Organ in den Mittelpunkt. Ebenso lehnte er empirische Forschung im Bereich der Medizin ab.
Im philosophischen Bereich vertrat al-Farabi eine Synthese aus neuplatonischer Philosophie und aristotelischem Weltbild, ein Novum in der Geschichte der arabisch-griechischen Philosophie. Er ging gemäß dem antiken Wissensstand davon aus, dass die Erde im Mittelpunkt des Universums steht, um welchen die Himmelskörper kreisen.
- ↑ Gemäß dem Gelehrtenbiographen adh-Dhahabī, Siyar aʿlām an-nubalāʾ, Bd. 15, S. 416 (2. Auflage. Beirut 1993), lautet der vollständige Name محمد بن محمد بن طرخان بن أوزلغ التركي الفارابي, DMG Muḥammad b. Muḥammad b. Ṭarḫān b. Auzlaġ at-Turkī al-Fārābī. In seinem al-ʿIbar fī ḫabar man ġabar (hrsg. von Fuʾād Sayyid. Kuwait 1961), Band 2, S. 251, nennt ihn adh-Dhahabī Abū Naṣr al-Fārābī, Muḥammad b. Muḥammad b. Ṭarḫān at-Turkī. So auch in der Gelehrtenbiographie von aṣ-Ṣafadī: Das biographische Lexikon des Ṣalāḥaddīn Ḫalīl Ibn-Aibak aṣ-Ṣafadī, Stuttgart u. a. 1962, 106, im Text: Abū Naṣr at-Turkī al-Fārābī (Zeile 7); so auch al-Maqrīzī: al-muqaffā al-kabīr. Bd. 7. S. 147 (Ed. Muḥammad al-Yaʿlāwī. Beirut 1991) mit der Erläuterung: „Ṭarḫān […] ist ein nicht arabischer (fremder) Name“; „Auzlaġ: ist ein türkischer Name“; Carl Brockelmann: Geschichte der arabischen Litteratur. Band 1. Brill, Leiden 1943, S. 232; vgl. auch die Angaben in Fußnote 2. Die Authentizität der Nisbe at-Turkī wird von Gutas 1999 bezweifelt, da er den frühesten Beleg bei Ibn Challikān: Wafayāt al-aʿyān, Band 5, S. 153 (Ed. Iḥsān ʿAbbās. Beirut 1968) ausmacht; dessen Darstellung sei geprägt vom Bestreben, al-Fārābī türkische Ethnizität zuzuschreiben, weshalb er ihm auch diese Nisbe verliehen habe. Die relevante Passage bei ibn Challikān ist z. B. angeführt und übersetzt bei Syed Ameer Ali: Spirit of Islâm, London 2. Aufl. 1922 (diverse Nachdrucke), S. 485 f.