Analphabetismus

Als Analphabetismus bezeichnet man kulturell, bildungs- oder psychisch bedingte individuelle Defizite im Lesen oder Schreiben bis hin zu völligem Unvermögen in diesen Disziplinen. Ist dagegen eine ganze Sprach- oder Kulturgemeinschaft betroffen, was im Laufe des 20. Jahrhunderts sehr selten geworden ist, spricht man von Schriftlosigkeit, Mündlichkeitskultur bzw. Oralität. Das Fehlen einer in einer Kultur verankerten Lese- bzw. Schreibfähigkeit wird als Illiteralität bezeichnet.

Der Alphabetisierungsgrad der Weltbevölkerung ist in den letzten Jahrhunderten drastisch gestiegen. Während 1820 nur 12 % der Menschen auf der Welt lesen und schreiben konnten, hat sich der Anteil heute umgekehrt: Nur 13 % der Weltbevölkerung sind noch Analphabeten. In den letzten Jahrzehnten ist die weltweite Alphabetisierungsquote alle 5 Jahre um etwa 4 Prozentpunkte gestiegen – von 42 % im Jahr 1960 auf 86 % im Jahr 2015.

In Deutschland waren 2011 nach einer Studie der Universität Hamburg ca. 4 % bzw. 2 Millionen der Erwachsenen totale, insgesamt 14,5 % bzw. 7,5 Millionen funktionale Analphabeten. 2018 wurde diese Studie fortgeschrieben: die Gesamtzahlen (Alpha-Levels 1–3) seien auf 12,1 % bzw. 6,2 Millionen zurückgegangen, auf den Alpha-Levels 1 und 2 seien immer noch 4 % der Erwachsenen bzw. 2 Millionen. Bei Alpha-Level 1 wird die Laut- und Buchstabenebene (mit Silbenebene), Alpha-Level 2 die Wortebene und Alpha-Level 3 die Satzebene verstanden. Level 1–3 werden zum Vor-A1-Niveau gezählt. Mit Alpha-Level 4, der Textebene, ist man im A1-Niveau angekommen.

Der Gegensatz zum Analphabeten, dem Nicht-Lesen-Könnenden mit mangelnder Lesekompetenz, ist der Alphabet.

  1. Vergleiche auch Gesprochene Sprache vs. Geschriebene Sprache.
  2. Literacy. Our World in Data (historische Entwicklung der Lesefähigkeit).
  3. Anke Grotlüschen, Klaus Buddeberg, Gregor Dutz, Lisanne Heilmann, Christopher Stammer: leo 2018 – Leben mit geringer Literalität. (PDF) In: blogs.epb.uni-hamburg.de. Universität Hamburg, 2019, S. 5–6, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 27. Dezember 2021; abgerufen am 5. Januar 2022.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. GERING EINE NEUE ZIELGRUPPE? In: Katalog Deutsch als Fremd- und Zweitsprache 2026. Klett Sprachen, S. 14–15, abgerufen am 6. Januar 2026.