Anatomie

Die Anatomie ist die Lehre vom Bau der Organismen, die durch Zergliederung des Körpers Lage und Form seiner Teile beschreibt. Sie ist ein Teilgebiet der Medizin bzw. Humanbiologie und weist u. a. Bezüge zur Anthropologie, Morphologie, Physiologie, Zoologie (Zootomie) und Botanik (Phytotomie) auf. Die Bezeichnung Anatomie kann als dem Erkenntnisgewinn dienende „Zergliederung“ von tierischen und menschlichen Körpern (altgriechisch ἀνά aná, deutsch auf, und τομή tomḗ, deutsch das Schneiden, der Schnitt) definiert werden. Hierbei werden Gestalt, Lage und Struktur von Körperteilen, Organen, Geweben oder Zellen betrachtet. Die pathologische Anatomie befasst sich mit in Lage und Form krankhaft veränderten Körperteilen. Die mikroskopische Anatomie befasst sich mit den feineren biologischen Strukturen bis zur molekularen Ebene und knüpft an die Molekularbiologie an. Die klassische Anatomie verwendet eine standardisierte Nomenklatur, die auf der lateinischen und der griechischen Sprache basiert.

Ein mit der Anatomie befasster Arzt oder Naturwissenschaftler ist ein Anatom. Das dazugehörige Adjektiv lautet anatomisch (abgekürzt anat.).

Der Begriff Anatomie wird schon seit dem frühen 16. Jahrhundert (auch als anatomei) auch allgemeiner und übertragen verwendet in der Bedeutung „Zergliederung, Strukturbestimmung, Analyse von konkreten und abstrakten Dingen“, auch „Struktur, (Auf-)bau“, z. B. Anatomie des Bodens, der Kunst, der Gedanken, der Gesellschaft.

  1. Wilhelm Lubosch: Grundriss der wissenschaftlichen Anatomie zum Gebrauch neben jedem Lehrbuch der Anatomie für Studierende und Ärzte. G. Thieme, Leipzig 1925.
  2. Hans Schulz, Otto Basler: Deutsches Fremdwörterbuch. Band 1. De Gruyter, 1995.
  1. Johann Dryander: Der gantzen Artzenei gemeyner Inhalt, Wes einem Artzt, bede in der Theoric vnd Practic zusteht, Mit anzeyge bewerter Artzneienn, zu allen leiblichen Gebrechenn, durch natürliche mittel, Hiebei beneben des menschen cörpers Anatomei, warhafft Contrafeyt, vnd beschriben; Allen Artzten, vnd eim ieden zu sein selbs, vnnd seins nehsten noturfft dienlich, wol zu haben vnd zuwissen. Ch. Egenolff, Frankfurt am Main 1542 (Digitalisat der BSB). Gundolf Keil: Der anatomei-Begriff in der Paracelsischen Krankheitslehre. Mit einem wirkungsgeschichtlichen Ausblick auf Samuel Hahnemann. In: Hartmut Boockmann, Bernd Moeller, Karl Stackmann (Hrsg.): Lebenslehren und Weltentwürfe im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Politik – Bildung – Naturkunde – Theologie. Bericht über Kolloquien der Kommission zur Erforschung der Kultur des Spätmittelalters 1983 bis 1987 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen: philologisch-historische Klasse. Folge 4, Nr. 179). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1989, ISBN 3-525-82463-7, S. 336–351.
  2. Vergleiche beispielsweise auch den Filmtitel „Anatomie eines Mordes“.