Adriatische Platte
Als Adriatische Platte (auch: Apulische Platte, Adriasporn und Adriatischer Indenter) wird in der Plattentektonik ein Kontinent (im geologischen Sinn) bezeichnet, dessen Kollision mit dem Kontinent Eurasien zur Bildung von Alpen, Apennin und Dinariden geführt hat. Während der lang dauernden Subduktion unter die Eurasische Platte – sie begann vor 100 bis 120 Ma – ist ein Großteil des ehemaligen tatsächlichen Kontinents „Groß Adria“ (engl. „Greater Adria“) bis 1500 km tief im Oberen Mantel unter die Erdkruste subduziert worden. Seine Ränder sind durch die Konvergenz mit der Eurasischen Platte stark deformiert. Auch für Geologen war der „Kontinent Adria“ durch die starken Überschiebungen, Brüche und Biegungen bis vor wenigen Jahren noch nicht eindeutig. Sie ist ein Teil des komplizierten Mosaiks der beiden Mikroplatten im Mittelmeerraum mit aktiver, wenn auch begrenzter Subduktion. Die Adriatische Platte ist eine konvergierende kontinentale Platte, die in den Süddinariden (Montenegro) unter die Eurasischen Platte subduziert, aber ihre Subduktions-Polarität in den Verbindungen Alpen-Apenninen und Alpen-Dinariden wechselt und in den Ost-Alpen die obere, im Apennin und den Dinariden die untere Platte bildet. Eine weitere Subduktion erfolgt auf der Westseite der Adriatischen Platte im Apennin. Aufgrund der gegengerichteten Bewegung nach Westen dehnt sich der Apennin, er wird hierdurch niedriger und schrumpft. Die Dinariden werden dagegen eingeengt und wachsen in die Höhe.
Die andauernde gegen den Uhrzeigersinn läufige Rotation der Adriatischen gegen den europäischen Teil der Eurasischen Platte, die sich an der Erdoberfläche durch tektonische Lineamente zeigen, ist auch heute noch Auslöser zahlreicher Erdbeben wie dem Erdbeben von Friaul 1976 oder dem Erdbeben in Montenegro 1979 (Mw 7,2), das ebenfalls einen Tsunami auslöste, der 15 km entlang der Montenegrinischen Küste Häuser mitriss sowie das Erdbeben bei Zagreb 2020 (Mw 5,4).
- ↑ Die Alpen mineralienatlas.de
- ↑ Douwe J. J. van Hinsbergen, Trond H. Torsvikb, Stefan M. Schmid, Liviu C. Maţeneo, Marco Maffione, Reinoud L. M. Vissers, Derya Gürera, Wim Spakmana 2019: Orogenic architecture of the Mediterranean region and kinematic reconstruction of its tectonic evolution since the Triassic. Gondwana Research, Available online 3 September 2019, In Press, Journal Pre-proof Orogenic architecture of the Mediterranean region and kinematic reconstruction of its tectonic evolution since the Triassic (Elsevier:PDF)
- ↑ Uni Bonn, Nikolaus Froitzheim: Geologie der Alpen (Auch als PDF) (seit ca. 2024 offline). (PDF 5,1 MB auf hoststar.ch, zuletzt abgerufen am 21. August 2024)
- 1 2 Sid Perkins (2019): Geologists uncover history of lost continent buried beneath Europe, In: Science online.
- ↑ Eline Le Breton, Mark R. Handy, Giancarlo Molli, and Kamil Ustaszewski: Post-20 Ma Motion of the Adriatic Plate: New Constraints From Surrounding Orogens and Implications for Crust-Mantle Decoupling. Tectonics, 36, 2017, S. 3135–3154. doi:10.1002/2016TC004443
- ↑ Claudia Faccenna et al. (2014), Mantle dynamics in the Mediterranean (PDF 28 MB), Rev. Geophys., 52, 283–332, doi:10.1002/2013RG000444
- ↑ Spiegel, 23. April 1979: Jugoslawien: Flach wie Kekse - Schwer getroffen von den Erdbeben in Montenegro ist der Fremdenverkehr -- schlecht gebaute Großhotels fielen zusammen
- ↑ Vanja Kastelic, Michele M. C. Carafa: Fault slip rates for the active External Dinarides thrust‐and‐fold belt. Tectonics, 31, 2012, doi:10.1029/2011TC003022
- ↑ Christoforos Benetatos, Anastasia A. Kiratzi (2006): Finite-fault slip models for the 15 April 1979 (M-W 7.1) Montenegro earthquake and its strongest aftershock of 24 May 1979 (M-W 6.2). July 2006 Tectonophysics 421(1):129-143 (PDF:Researchgate)