Arbeiten unter Spannung

Arbeiten unter Spannung (AuS) sind Tätigkeiten, bei denen Personen mit Körperteilen, Werkzeugen, Ausrüstungen oder Vorrichtungen bewusst in die Gefahrenzone eindringen oder blanke, unter Spannung stehende Teile berühren.

Das Arbeiten unter Spannung erfordert besondere technische und organisatorische Maßnahmen. Dabei handelt es sich um Mitarbeiter mit einer Spezialausbildung (in Deutschland AuS-geschulte Elektrofachkräfte, in der Schweiz speziell dafür ausgebildete Elektromonteure) und die Anwendung besonderer Arbeitsverfahren.

Bei folgenden Tätigkeiten sind besondere technische und organisatorische Maßnahmen in der Regel nicht erforderlich:

  • Arbeiten an Anlagen, wenn
    • sowohl die Spannung zwischen den aktiven Teilen als auch die Spannung zwischen aktiven Teilen und Erde nicht höher als 50 V Wechselspannung oder 120 V Gleichspannung ist (SELV oder PELV) oder
    • der Kurzschlussstrom an der Arbeitsstelle höchstens 3 mA Wechselstrom (Effektivwert) oder 12 mA Gleichstrom beträgt oder
    • die Energie nicht mehr als 350 mJ beträgt oder
    • die Stromkreise nach DIN EN 60079-14 (VDE 0165-1) eigensicher errichtet sind.
  • Heranführen von Spannungsprüfern und Phasenvergleichern,
  • Abklopfen von Raureif mit isolierenden Stangen,
  • Anspritzen unter Spannung stehender Teile bei der Brandbekämpfung,
  • Abspritzen von Isolatoren in Freiluftanlagen,
  • Heranführen von Prüf-, Mess- und Justiereinrichtungen bei Nennspannungen bis 1000 V,
  • Herausnehmen oder Einsetzen von nicht gegen direktes Berühren geschützten Sicherungseinsätzen, – Arbeiten in Prüfanlagen, – Prüfarbeiten bei der Fehlereingrenzung in Hilfsstromkreisen,
  • Funktionsprüfungen an Geräten und Schaltungen, Inbetriebnahme und Erprobung,
  • Arbeiten an unter Spannung stehenden Fahrleitungen bis AC 1000 V / DC 1500 V, wenn die Arbeiten nach DIN VDE 105-103 (VDE 0105-3) „Zusatzfestlegungen für Bahnen“ durchgeführt werden,
  • Arbeiten zum Abdecken entsprechend der fünften Sicherheitsregel, soweit nicht Gefährdungen wie bei Arbeiten unter Spannung vorliegen, für die technische und organisatorische Maßnahmen notwendig sind.
  1. Steffen Ballmann, Josef Ballweg, Klaus Beiser: Betrieb von elektrischen Anlagen: Erläuterungen zu DIN VDE 0105-100:2015-10. In: VDE-Schriftenreihe (= VDE-Schriftenreihe – Normen verständlich). 11., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Band 13. VDE VERLAG GMBH, Berlin Offenbach 2017, ISBN 978-3-8007-4322-3, S. 272.Fehler in Vorlage:Literatur *** Parameterproblem: Dateiformat/Größe/Abruf nur bei externem Link