Archibald Primrose, 5. Earl of Rosebery
Archibald Philip Primrose, 5. Earl of Rosebery KG PC (* 7. Mai 1847 in London; † 21. Mai 1929 in Epsom, Surrey) war ein britischer Staatsmann und von 1894 bis 1895 Premierminister des Vereinigten Königreichs.
Geboren als Spross einer Adelsdynastie, genoss er eine Ausbildung in Eton und Oxford; in Oxford verließ er 1868 vorzeitig das College. Im gleichen Jahr wurde er nach dem Tod seines Großvaters der Erbe des Titels des Earl of Rosebery und erbte ein großes Vermögen samt großer Ländereien. 1878 heiratete er dazu auch Hannah de Rothschild aus der Rothschild-Familie, womit er zu einem der reichsten Männer des Empire aufstieg. Rosebery avancierte bald zu einer gefeierten Persönlichkeit, der auf die Öffentlichkeit und die Massen gleichermaßen eine anhaltende Faszination ausübte und dessen Bekanntheit und Popularität ihm ein solches Ansehen verliehen, dass er auch das der königlichen Familie beinahe in den Schatten stellte.
Nachdem er sich bereits zu Schulzeiten politisch geäußert hatte, ging Rosebery nun in die Politik. Trotz persönlicher Freundschaft mit Benjamin Disraeli hielt Rosebery an den starken Whig-Traditionen seiner Familie fest und blieb der Liberalen Partei treu. Inspiriert durch Wahlkämpfe in den USA, orchestrierte Rosebery unter großem organisatorischen und finanziellen Aufwand 1879/1880 die Midlothian-Kampagne des liberalen Politikers William Ewart Gladstone, die als erste moderne Wahlkampagne in der Geschichte des Vereinigten Königreiches gilt, Gladstones Ruf als einem der populärsten Politiker seiner Zeit zementierte und 1880 zum Sieg bei der Unterhauswahl führte. Als neuer Premierminister bot Gladstone Rosebery einen Posten im Indien-Office an; enttäuscht darüber, keinen Kabinettsposten erhalten zu haben, lehnte Rosebery das Angebot aber ab. Im Gefolge der Midlothian-Kampagne hatte auch Rosebery es allerdings ebenfalls zu landesweiter Bekanntheit gebracht und er wurde zu einer Leitfigur des Liberalismus in Schottland. In den folgenden Jahren entwickelte er sich zum wichtigsten Vertreter schottischer Interessen im politischen Betrieb Westminsters; es wird auch seinem Engagement zugeschrieben, dass schließlich parteiübergreifend der Posten eines Ministers für Schottland geschaffen wurde. In Gladstones kurzlebiger dritter Regierung diente Rosebery 1886 als Außenminister. Auch in Gladstones viertem Kabinett war Rosebery 1892 bis 1894 Außenminister. In dieser Funktion hatte er sich vor allem mit kolonialen Streitigkeiten mit dem Rivalen Frankreich auseinanderzusetzen.
Nach Gladstones altersbedingtem Abschied von der politischen Bühne wurde Rosebery sein Nachfolger als Premierminister. Gladstone hätte William Harcourt als seinen Nachfolger bevorzugt, die Liberalen entschieden sich jedoch für Lord Rosebery – auch wegen Königin Victorias Abneigung für Harcourt. Der verärgerte Harcourt trat Roseberys Regierung nur gegen weitreichende Zugeständnisse als neuer Schatzkanzler bei. Roseberys Regierung war dadurch von einem unsicheren Balanceakt gekennzeichnet und geriet schnell zu einem Debakel voller interner Rivalitäten und Streitigkeiten. Als Führer der liberalen Regierungsfraktion im Unterhaus unterlief Harcourt wiederholt die Führung Roseberys, der als Adliger im Oberhaus saß. Über Fragen der Außen- und Finanzpolitik waren beide völlig zerstritten. Durch die Blockade der konservativen Mehrheit im Oberhaus konnten auch wichtige Gesetzesvorhaben der Regierung nicht verabschiedet werden. Im Zuge der Armenischen Krise kam zudem Gladstone aus seinem Ruhestand zurück und unterminierte Rosebery, indem er energisch – wie schon im Zuge seiner Midlothian-Kampagne vor dem Hintergrund der Balkankrise 1877/78 – erneut eine militärische Intervention Großbritanniens gegen das Osmanische Reich forderte. Rosebery zeigte sich diesem Gemengelager nicht gewachsen und er war einem Zusammenbruch nahe, als seine Regierung im Juni 1895 eine Abstimmungsniederlage im Unterhaus erlitt; Rosebery nutzte dies als Vorwand, um vorzeitig Neuwahlen auszurufen, die für ihn und die Liberalen in einer klaren Niederlage mündete.
Danach hielt er zunächst weiter das nominelle Amt des Parteiführers, trat jedoch bereits 1896 von diesem Amt zurück. Rosebery hielt danach nie wieder ein politisches Amt. Wiederkehrend war er im Gespräch für ein führendes Amt, er blieb jedoch in seiner politischen Isolation.
Neben der politischen Karriere verfasste Rosebery einige historische Abhandlungen; seine Biographie William Pitt des Jüngeren, veröffentlicht 1891, galt lange als ein Standardwerk. Dazu ist er Schöpfer einiger Phrasen, die Eingang in den Sprachgebrauch gefunden haben, so begründete er den Begriff des Commonwealth of Nations.