Bîspel

Bîspel oder auch Bîschaft (von mittelhochdeutsch bîspil, was im Neuhochdeutschen so viel bedeutet, wie Bei-Erzählung bzw. das dazu-Erzählte) sind kurze beispielhafte Erzählungen, die Bild und Sinn gleichnishaft nebeneinander stellen. Es handelt sich um eine Textform des hohen Mittelalters, die in den Werken vieler Autoren Eingang fand. Beispielsweise auch in den lehrhaften Schriften des Strickers. Er hat das Bîspel Mitte des 13. Jahrhunderts zu einem eigenständigen literarischen Genre erhoben.

Man verzeichnet eine breite Textrezeption vom Beginn des Genres um 1230 bis ins späte 15. Jahrhundert. Die Wiener Handschrift 2705 enthält mit 117 Stücken den ältesten repräsentativen Korpus von Bîspeln.

  1. Eduard Neumann: Bîspel. In: Werner Kohlschmidt u. a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte. Band 1. De Gruyter, Berlin 1958, Z. 178 f.
  2. Franz-Josef Holznagel: Gezähmte Fiktionalität. Zur Poetik des Reimpaarbispels. In: Emilio González (Hrsg.): Die Kleinepik des Strickers. Texte, Gattungstraditionen und Interpretationsprobleme. Philologische Studien und Quellen, Band 199. Schmidt, Berlin 2006, S. 47. Vgl. Gerhard Köpf (Hrsg.): Märendichtung. Metzler, Stuttgart 1978, S. 89 f.