Bartleby der Schreiber
Bartleby der Schreiber ist eine Erzählung des amerikanischen Schriftstellers Herman Melville, die unter dem Originaltitel Bartleby the Scrivener veröffentlicht wurde. Es ist das erste Werk, das Melville nach Moby Dick verfasste, und wurde zunächst anonym im November und Dezember 1853 in zwei Teilen in der Zeitschrift Putnam’s Monthly Magazine veröffentlicht. Eine leicht veränderte Fassung wurde zusammen mit fünf anderen Erzählwerken in Prosa-Kurzform, unter anderem Benito Cereno, erstmals in Buchform 1856 in den Sammelband The Piazza Tales aufgenommen.
Die deutsche Erstübersetzung von Karl Lerbs erschien 1939 in der Zeitschrift Corona (Jahr IX, Heft 4, Verlag R. Oldenbourg / München-Berlin) unter dem Titel Bartleby. Seitdem sind zahlreiche weitere Übersetzungen unter verschiedenen Titeln wie Der Schreiber Bartleby oder Bartleby, der Schreibgehilfe veröffentlicht worden, teilweise mit Untertiteln wie Das seltsame Leben eines Kanzleischreibers im alten New York oder Eine Geschichte aus der Wallstreet. Neuere Übersetzungen erschienen 2002 von Elisabeth Schnack im Zürcher Manesse Verlag, 2004 von Jürgen Krug im Insel Verlag (mit Illustrationen von Sabine Wilharm), 2010 von Felix Mayer im Kölner Anaconda Verlag und 2024 bei der Büchergilde Gutenberg in der Übersetzung des Insel Verlags, aber mit Illustrationen von Stefhany Y. Lozano.
Die Erzählung wird mitunter mit Der Mantel von Gogol verglichen, weist aber auch auf das 20. Jahrhundert, vor allem auf Kafka, voraus. Für zahlreiche Kritiker gilt sie als die gelungenste der Erzählungen Melvilles.
- ↑ Vgl. zur Publikationsgeschichte beispielsweise Harrison Hayford, Alma a. MacDougall und G. Thomas Tanselle hrsg. Ausgabe von Herman Melville: The Piazza Tales and Other Prose Pieces. The Writings of Hermann Melville. North Western University Press and The Newberry Library, Evanston und Chicago 1987, 3. Auflage 1995, ISBN 0-8101-0550-0, S. 572f. Siehe auch Browse Making of America – Putnam’s Monthly from 1855 auf Cornell University Library. Abgerufen am 8. Juni 2017.
- ↑ Vgl. Robert Milder: Hermann Melville. In: Emory Elliott (Hrsg.): The Columbia Literary History of the United States. Columbia University Press 1988, ISBN 978-0-231-05812-4, S. 439. Siehe auch Hershel Parker: Herman Melville: A Biography. Volume 2, 1851–1891. The Johns Hopkins University Press, Baltimore and London 2002, ISBN 0-8018-6892-0, S. 179. Ebenso Franz H. Link: Melville • Bartleby, The Scrivener. In: Karl Heinz Göller et al. (Hrsg.): Die amerikanische Kurzgeschichte. August Bagel Verlag, Düsseldorf 1972, ISBN 3 513 022123, S. 118–128, hier S. 118.