Begabtenprüfung

Die Begabtenprüfung war eine von den Kultusministerien in Deutschland von 1924 bis 1984 abgenommene Prüfung, die (berufs- oder lebenserfahrenen: Mindestalter 25 Lebensjahre) Personen ein Studium ohne Reifezeugnis und den Weg zur Universität öffnen sollte. Es ist die (nicht-amtliche) Bezeichnung für Prüfungen, die Begabten ein Studium ohne Reifezeugnis an Universitäten (ab dem 1. September 1938 an allen wissenschaftlichen Hochschulen in Deutschland) und nach 1945 in den meisten deutschen Ländern den Zugang (Hochschulzugang ohne Reifezeugnis) eröffneten. Die amtliche Bezeichnung war meist Prüfung für die Zulassung zum Hochschulstudium ohne Reifezeugnis. Nach dem Zweiten Weltkrieg berechtigte das Zeugnis – je nach der Regelung des jeweiligen Landes – zum Studium in allen Ländern der Bundesrepublik Deutschland und Berlin allgemein (Das Statistische Bundesamt führt die Prüfung als eine von 15 Arten des Erwerbs der allgemeinen Hochschulreife auf und wies ihm 2009 unter Schlüssel 8 (Hochschulzugangsberechtigung) die Signatur 33 zu). Daneben gab es in einigen Ländern auch Prüfungen, die nur zu einer fachgebundenen Berechtigung führten (Schlüssel 8 Signatur 52); die Prüfungen für ein Studium an Pädagogischen Hochschulen bzw. für ein sonstiges Studium hatten meist andere Bezeichnungen (z. B. in Niedersachsen Immaturenprüfung, Z-Prüfung usw.).

Die Prüfung sollte solchen Personen den Zugang zum Hochschulstudium eröffnen, die für das Studium eines bestimmten Fachgebietes hervorragend befähigt waren, aber auf Grund ihres Entwicklungsganges keine Reifeprüfung ablegen konnten. Der Bewerber sollte in ihr nachweisen, dass er nach seiner Persönlichkeit und seinen geistigen Fähigkeiten für das beabsichtigte Studium besonders geeignet ist, dessen fachliche Grundlagen kennt und eine angemessene vielseitige Bildung besitzt. Die erfolgreiche Prüfung gewährte jedoch den Zugang zu allen Universitäten und allen Fakultäten; das Zeugnis enthielt keine Beschränkung auf ein bestimmtes Fachgebiet (Fakultätsreife).

  1. Petra Kipphoff, Thomas von Randow, Dieter E. Zimmer (Hrsg.): Hochschulführer Teil IV. Akademisches Wörterbuch, Stichwort Begabtenprüfung, Die Zeit Bücher, Nannen-Verlag Hamburg, 1964 S. 341.
  2. Statistisches Bundesamt: Schlüsselverzeichnis, Studenten- und Prüfungsstatistik (Schlüssel für Hochschulzugangsberechtigung), Erwerb der HZB in Deutschland, Allgemeine Hochschulreife (aHR). Stand: Wintersemester 2008/2009 und Sommersemester 2009, Wiesbaden 2009, Blatt 1 und 2
  3. Statistisches Bundesamt: Schlüsselverzeichnis, Studenten- und Prüfungsstatistik (Schlüssel für Hochschulzugangsberechtigung), Erwerb der HZB in Deutschland, Fachgebundene Hochschulreife (fgHR). Stand: Wintersemester 2008/2009 und Sommersemester 2009, Wiesbaden 2009, Blatt 2 und 3.
  4. Wolf-Dieter Scholz, Andrä Wolter: Exklusivität oder Durchlässigkeit des Hochschulzugangs? - Ein bildungsoziologischer Beitrag zum Hochschulstudium von ehemaligen Berufstätigen ohne Abitur in Niedersachsen. In: Jost v. Maydell (Hrsg.): Bildungsforschung und Gesellschaftspolitik - Wolfgang Schulenberg zum 60. Geburtstag, Oldenburg (Heinz Holzberg Verlag) 1982 dort S. 142–166: Die Hochschulzulassungsprüfungen für Berufstätige ohne Reifezeugnis in Niedersachsen als ein Modell des Dritten Bildungsweges
  5. Andrä Wolter, Wolf-Dieter Scholz, Jost von Maydell: Studium ohne Abitur an der Universität Oldenburg – Die Öffnung des Hochschulzugangs in der bildungspolitischen Kontroverse. In: Jürgen Lüthje (Hrsg.): Universität Oldenburg – Entwicklung und Profil Oldenburg (Heinz Holzberg Verlag) 1984, dort: S. 303–309 Zur Geschichte und Organisation der Z-Prüfung