Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig

Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig
BVfS Leipzig

Innenhof der Bezirksverwaltung des MfS (links) und der Volkspolizei (rechts) in Leipzig, 2023

Daten
Ort Leipzig
Bauherr Ministerium für Staatssicherheit
Baustil Sozialistischer Realismus
Baujahr 1913 (Runde Ecke),
1956–1958 (Saalbau),
1980–1985 (Erweiterungsbau)
Grundfläche 15.800 
Koordinaten 51° 20′ 32,4″ N, 12° 22′ 18,7″ O
Besonderheiten
Weitgehend unverändert erhaltener, geschlossener DDR-Baukomplex mit großer Bunkeranlage

Zuständigkeitsgebiet der BVfS Leipzig von 1952 bis 1989

Die Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig (kurz BVfS Leipzig) war eine regionale Außenstelle des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), gemeinhin bekannt als „Stasi“. Sie war verantwortlich für die Überwachung und Unterdrückung von Andersdenkenden im Bezirk Leipzig. Die Bezirksverwaltung befand sich in Leipzig auf dem Areal Dittrichring 24/Große Fleischergasse und verfügte über 13 Kreisdienststellen. Von den, je nach einbezogenen Diensten und Mitarbeitergruppen, über 2.390 bis 3.792 hauptamtlichen Mitarbeitern arbeiteten ungefähr 750 in der Zentrale in Leipzig. Zusammen mit den fast 10.000 inoffiziellen Mitarbeitern (IMs) war die Bezirksverwaltung Leipzig eine der größten der DDR.

Die BVfS Leipzig wurde im Zuge der Verwaltungsreform von 1952 gegründet und war bis zu ihrer Auflösung Ende 1989 tätig. Haupttätigkeitsfelder neben vielfältig repressiven Überwachungsmaßnahmen gegen die Bevölkerung waren die Kontrolle der Leipziger Messe und die Auslandsspionage, konkret in Nordrhein-Westfalen, aber auch die Umsetzung der Direktive 1/67, in der als „Vorbeugekomplex“ DDR-weit 86.000 Bürger erfasst waren und die ein System von Isolierungs- und Internierungslagern vorsah. Nach der Besetzung am 4. Dezember 1989 im Rahmen der Montagsdemonstrationen verlor die Bezirksverwaltung ihre Funktion. Vereinzelte Aktivitäten ehemaliger Mitarbeiter der BVfS Leipzig sind aber bis heute in Vereinen (GRH, GBM) spürbar. Seit 1990 beherbergt das Gebäude am Innenstadtring die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“, in der die Erinnerung an die Tätigkeit der Stasi von vielen Leipziger Bürgern wachgehalten wird, welche teilweise die repressiven Aktivitäten noch selbst miterlebt hatten.

Die Gebäude der ehemaligen Stasi-Zentrale – die auch eine der größten Bunkeranlagen (für 750 Personen) auf dem Stadtgebiet Leipzigs enthalten – werden teilweise als Museum verwendet, teilweise von Ämtern und Vereinen, teilweise sind sie ungenutzt. Auch die Akten der BVfS sind hier in einer Außenstelle des Bundesarchivs öffentlich zugänglich. Die langfristige Nachnutzung des Erweiterungsbaus wird seit 2017 verstärkt diskutiert. Anfang 2024 wurde aus über 60 Vorschlägen ein Entwurf gewählt, der „wesentliche Teile des Bestands … ressourcenschonend bewahrt und sinnvoll durch Neubau ergänzt.“ Dabei macht es der Standort erforderlich, die archäologischen und „baulichen Spuren der Wiege Leipzigs“ auf dem Areal zu erhalten. In einem bauhistorischen Gutachten warnten Tanja Scheffler und Susann Buttolo schon im Jahr 2021 vor der „leichtfertigen Beseitigung der aktuellen, teilweise noch sehr authentisch überlieferten DDR-Bausubstanz“.

  1. Leitung der BVfS Leipzig. In: argus.bstu.bundesarchiv.de. Abgerufen am 9. Dezember 2024.
  2. Thomas Mayer: Helden der Friedlichen Revolution: 18 Porträts von Wegbereitern aus Leipzig (= Schriftenreihe des Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Bd. 10). 2. Auflage. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2017, ISBN 978-3-374-04996-7.
  3. Bernd Schekauski: Umgestaltung in Leipzig: So soll sich der Matthäikirchhof verändern. In: mdr.de. 1. Februar 2024, abgerufen am 2. Februar 2024.
  4. Kristian Schulze: Warum die Ex-Stasi-Zentrale in Leipzig nicht unter Denkmalschutz steht, in: MDR Aktuell vom 13. März 2026, eingesehen am 17. März 2026.