Blindschleiche

Westliche Blindschleiche

Blindschleichen auf Fahrwegen in Norddeutschland

Systematik
ohne Rang: Toxicofera
ohne Rang: Schleichenartige (Anguimorpha)
Familie: Schleichen (Anguidae)
Unterfamilie: Anguinae
Gattung: Anguis
Art: Westliche Blindschleiche
Wissenschaftlicher Name
Anguis fragilis
Linnaeus, 1758

Die Blindschleiche (genauer: Westliche Blindschleiche) (Anguis fragilis) ist eine Echsenart innerhalb der Familie der Schleichen (Anguidae). In Mitteleuropa gehört sie zu den am häufigsten vorkommenden Reptilien. Mit ihrem beinlosen, langgestreckten Körper gleicht sie einer Schlange und wird auch oft für eine solche gehalten. Dieses Missverständnis spiegelt sich auch im wissenschaftlichen Gattungsnamen wider, den ihr Carl von Linné gegeben hat (lateinisch anguis = „Schlange“; der Artname fragilis bedeutet „zerbrechlich“). Wichtige Unterscheidungsmerkmale zu den Schlangen sind das leichte Abbrechen des Schwanzes sowie das für alle Schleichen typische Vorhandensein von beweglichen Augenlidern und äußeren Gehöröffnungen, wenn auch letztere durch Schuppen verdeckt sind.

Ein anderer verbreiteter Irrtum ist, dass die Blindschleiche gemäß der Artbezeichnung blind sei. Bereits die althochdeutschen Bezeichnungen blintslîh, plintoslîh usw. bedeuten „blinder Schleicher“ im Sinne von „nicht sehend“. (In biologischer Literatur ist wiederholt zu lesen, der althochdeutsche Name bedeute „blendende oder glänzende Schleiche“, was sprachhistorisch aber unbelegt ist.) Andere, heute nicht oder kaum mehr gebräuchliche Bezeichnungen lauten Haselwurm und Hartwurm.

Die Blindschleiche wurde von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde zum Reptil des Jahres 2017 gekürt.

  1. Stichwort „blint(o)slîh/plint(o)slîh“ in: Althochdeutsches Wörterbuch, digitalisierte Fassung bereitgestellt durch die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, abgerufen am 28. März 2026.
  2. Stichwort „Blindschleiche“ im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache (dwds.de), Abschnitt „Etymologie“ (Etymologisches Wörterbuch von Wolfgang Pfeifer), abgerufen am 28. März 2026.
  3. Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, Stichwort: „Blindschleiche“, Seite 133.
  4. Stichwort „Blindschleiche“, Duden online, abgerufen am 28. März 2026.
  5. Hans-Günter Petzold: Blindschleiche und Scheltopusik. Die Familie Anguidae (= Die Neue Brehm-Bücherei. Bd. 448). 2., unveränderte Auflage, Nachdruck der 1. Auflage von 1971. Westarp Wissenschaften u. a., Magdeburg u. a. 1995, ISBN 3-89432-473-2.
  6. Rainer Günther, Wolfgang Völkl: Blindschleiche – Anguis fragilis Linnaeus, 1758. In: Rainer Günther (Hrsg.): Die Amphibien und Reptilien Deutschlands. Gustav Fischer, Jena u. a. 1996, ISBN 3-437-35016-1, S. 617–631.
  7. Dieter Glandt: Die Amphibien und Reptilien Europas. Alle Arten im Porträt. Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim 2015, ISBN 978-3-494-01581-1, S. 322–327.
  8. Stichwort „blint/plint“ in: Althochdeutsches Wörterbuch, digitalisierte Fassung bereitgestellt durch die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, abgerufen am 28. März 2026.