Brüder Miladinow
Brüder Miladinow (auch Miladinov bzw. Miladinowi und Miladinovi geschrieben, bulgarisch Братя Миладинови, mazedonisch Браќа Миладиновци) nannten sich die bulgarischen Poeten und Folkloristen Dimitar Miladinow (1810–1862) und Konstantin Miladinow (1830–1862) bei gemeinsamen Veröffentlichungen, wie zum Beispiel bei ihrer prestigeträchtigen Sammlung bulgarischer Volkslieder (alte Schreibweise auf Bulgarisch Бѫлгарски народни пѣсни, neue Schreibweise Български народни песни Balgarski narodni pesni, wörtlich „Bulgarische Volkslieder“). Die Brüder Miladinow galten als wichtige Aktivisten während der bulgarischen Nationalbewegung in Makedonien und sind bekannt für ihre Sammlung von Volksliedern. Die Sammlung der Miladinows bleibt eines der größten Einzelwerke in der Geschichte der bulgarischen Folklorestudien und wurde mehrfach neu veröffentlicht. Der Sammlung wird auch von der Geschichtsschreibung in Nordmazedonien eine wichtige Rolle zugeschrieben.
Konstantin Miladinow ist auch berühmt für sein Gedicht Taga za jug (alte bulgarische Schreibweise Тѫга за югъ, neue Schreibweise Тъга за юг Taga sa jug, makedonisch Т’га за југ T’ga sa jug, deutsch „Sehnsucht nach dem Süden“), das er während seines Aufenthalts in Russland schrieb.
In Nordmazedonien werden die Miladinow-Brüder als ethnische Mazedonier angesehen, die den Grundstein für das mazedonische nationale Erwachen und die literarische Tradition legten. Befürworter dieser Ansicht argumentieren, dass die Miladinow-Brüder sich selbst und ihre Sprache sowie Kultur als Bulgarisch bezeichneten, weil der Begriff Bulgarisch keine ethnische Zugehörigkeit, sondern verschiedene soziokulturelle Kategorien bezeichnete. Diese Ansicht wird auch offiziell von der Politik in Nordmazedonien vertreten und ist Teil der Schulbildung dort, wobei die Originalwerke der Miladinow-Brüder der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind und nur in zensierte Versionen und redigierte Kopien davon veröffentlicht wurden.
In der nordmazedonischen Stadt Struga, der Heimatstadt der Brüder Miladinow, findet zu ihren Ehren das internationale Literaturfestival Die Abende der Poesie in Struga statt, zu dem auch ein nach ihnen benannter Poesiepreis gehört. Dazu tragen in fast allen Großstädte in Bulgarien Bildungseinrichtungen ihre Namen.
- ↑ Cultural and national liberation movement of the Macedonian people. www.soros.org.mk Vorlage:Cite web: Der Parameter language wurde bei wahrscheinlich fremdsprachiger Quelle nicht angegeben.
- ↑ In der Ankündigung der Brüder Miladinow über das Abonnement ihrer Sammlung mit dem Titel „Bulgarische Volkslieder“, die Konstantin Miladinow am 7. Februar 1861 in der bulgarischen Zeitung Dunawski Lebed, Ausgabe Nr. 20, in Belgrad veröffentlichte, schrieb er: „Wir haben vor sechs Jahren angefangen, Volkslieder aus allen Teilen Westbulgariens, d. h. Makedonien … sowie aus Ostbulgarien zu sammeln. Diese Volkslieder werden durch traditionelle Verlobungs- und Hochzeits-Riten von Struga und Kukusch ergänzt. Sprichwörter, Rätsel, Legenden und etwa 2.000 Wörter, die veraltet sind oder sich von anderen Dialekten unterscheiden.“ Siehe: D. Kossev et al., Macedonia, documents and materials, Bulgarian Academy of Sciences, (in Englisch) Sofia, 1978, S. 48.
- ↑ Am 8. Januar 1861 schrieb K. Miladinow an den bulgarischen Aufklärer G. Rakowski, um seine Verwendung des Begriffs „bulgarisch“ im Titel seiner Sammlung makedonischer Volkslieder zu erläutern: „In der Ankündigung nannte ich Makedonien Westbulgarien (wie es genannt werden sollte), weil die Griechen uns in Wien wie Schafe behandeln. Sie betrachten Makedonien als ein griechisches Land und können nicht verstehen, dass [Makedonien] nicht griechisch ist.“ Miladinow und andere gebildete bulgarische Makedonier befürchteten, dass die Verwendung des makedonischen Namens die Bindung an oder die Identifikation mit der griechischen Nation implizieren würde. Siehe: Andrew Rossos Macedonia and the Macedonians: A History. Hoover Institution Press, 2008, ISBN 0-8179-4881-3, S. 84.
- ↑ Makedonisches Wissenschaftliches Institut: Die Wahrheit über Mazedonien, Sofia Hofdruckerei, 1941, S. 14. PDF-Digitalisat (40,3 MB)
- ↑ History of the Literary Cultures of East-Central Europe: Junctures and Disjunctures in the 19th and 20th Centuries, Marcel Cornis-Pope, John Neubauer, John Benjamins Publishing, 2004, ISBN 90-272-3455-8, S. 326.
- ↑ M. Danforth: The Macedonian Conflict by Loring.
- ↑ Milka Miladinowa: 140 Jahre „Bulgarische Volkslieder“ von den Gebrüder Miladinow, Mazedonisches Wissenschaftliches Institut, 2001, S. 5–21. (bulgarisch)