Bronzefiguren der Nuraghenkultur

Die Bronzefiguren der Nuraghenkultur (ital. Bronzetto sardo oder nuragico, Plural Bronzettisardisch: brunzìtu sardu oder nuraghesu) entstanden nach bisher vorherrschender Meinung mehrheitlich zwischen dem 9. und 6. Jahrhundert v. Chr. Neuere Theorien besagen, dass mit der Herstellung der Bronzestatuetten schon wesentlich früher begonnen wurde. Etwa 500 dieser bis zu 40 cm hohen Statuetten fand man bisher auf Sardinien. 125 stammen aus den Brunnenheiligtümern von Santa Vittoria bei Serri, Forraxi Nioi und Abini bei Teti, auch in Gräbern, Nuraghen, Siedlungen und Werkstätten wurden sie gefunden.

Wie die Kunst des Bronzegusses im Wachsausschmelzverfahren nach Sardinien gefunden hat, ist unklar. Die Etrusker fertigten zur gleichen Zeit ebenfalls Bronzefiguren an. Ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. bestanden Handelskontakte mit dem östlichen Mittelmeerraum, vor allem zur Mykenischen Kultur Griechenlands und zur kupferreichen Insel Zypern. Sardinien war selbst reich an Kupfer, Silber und Blei. Dänische Forscher haben mithilfe der Isotopenanalyse 48 Bronzetti von drei Nuraghenstätten aus dem frühen ersten Jahrtausend v. Chr. untersucht. Bisher hatte man angenommen, das Kupfer stamme aus der Levante oder von Zypern, doch die Analyse eines seltenen Isotops von Osmium schloss diese Möglichkeit aus. Stattdessen wurden die Figuren aus Erz hergestellt, das von der Iberischen Halbinsel importiert wurde oder aus Kupfer von Sardinien. Es wird angenommen, dass die Kupferarten manchmal gemischt wurden, um Effekte wie Farbe und Festigkeit zu erzielen. Das verwendete Zinn stammte ebenfalls aus Iberien, was Sardiniens Rolle im Handelsnetz der Bronzezeit unterstreicht.

Nach heutigem Forschungsstand dienten die Figuren vorwiegend als Votivgaben. Zusammen mit Talismanen, Waffen und anderen Donationen aus Bronze legte man sie in Heiligtümern nieder. Oft wurden sie in natürlichen Felsritzen oder in Bohrungen, die man in Steinblöcken einbrachte, mit Blei eingegossen.