Brun Candidus von Fulda

Brun Candidus (auch Bruun) (* ca. 770–780; † 845), Maler und Schriftsteller, war Priestermönch im Kloster Fulda. Zudem ist er als Urkundenschreiber der kaiserlichen Kanzlei 811 bis 813 mehrfach belegt. Er ist zum einen Verfasser zweier Abtsbiographien, der verlorenen Vita Abt Baugulfs von Fulda und der erhaltenen Vita Abt Eigils von Fulda, die er seinem Mitbruder Reccheo Modestus widmete (Weitere unter dem Namen Candidus überlieferte theologisch-philosophische Lehrschriften stammen dagegen von dem Alkuinschüler Candidus Wizo). Zum anderen ist er mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Hauptmeister der Fuldaer Malschule des 9. Jahrhunderts (s. Karolingische Buchmalerei), der sich sowohl in der Buch- als auch in der Wandmalerei betätigte.

  1. Die beiden werden immer wieder verwechselt, so zuletzt von Steffen Patzold, Ich und Karl der Große. Das Leben des Höflings Einhard. Klett-Cotta, Stuttgart 2013, Anm. 38, S. 337. Den dort aufgrund von fehlerhaften Angaben Martina Stratmanns irrtümlich Brun Candidus von Fulda zugewiesenen Brief (ed. Monumenta Germaniae Historica Epistolae V, S. 615–616) hat Christine E. Ineichen-Eder als Werk des Candidus Wizzo erkannt, vgl. Ineichen-Eder, Theologisches und philosophisches Lehrmaterial aus dem Alkuinkreise in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 34, 1978, S. 192–201, hier S. 194; Nr. 12, S. 196.
  2. Die Bedeutung des Brun Candidus als Maler blieb von der kunstgeschichtlichen Forschung lange unbeachtet, weil keines seiner Werke im Original erhalten ist. Vorhanden sind zum einen Selbstzeugnisse in seiner Vita Aegil abbatis Fuldensis II 17 131-185 sowie Titulus zu II 18 (siehe unten) und Kupferstichreproduktionen dreier Illustrationen aus dem diese Biographie begleitenden narrativen Zyklus, die der Jesuit Christoph Brouwer 1612 nach der einzigen, inzwischen verlorenen Fuldaer Handschrift des Werks in seinen Antiquitatum Fuldensium libri IV veröffentlichte.