Byers-Insel
Koordinaten: 28° 32′ N, 177° 4′ O
Die Byers-Insel (Byers’ Island) ist eine von Benjamin Morrell frei erfundene Phantominsel im Nordpazifik, die er am 12. Juli 1825 unter 28° 32′ N; 177° 04′ O angelaufen haben will. Morrell beschreibt die Byers-Insel, die er wie ein bereits bekanntes geographisches Objekt vorführt, in allen Details in seinem Werk A narrative of four voyages. Dennoch handelt es sich nicht um eine tatsächliche Inselsichtung. Morrells Längenangaben für das kurz zuvor besuchte Pearl and Hermes Reef sind hinlänglich exakt, um die Annahme, bei der Byers-Insel handele es sich um eine Längenversetzung von Kure, mit Sicherheit ausschließen zu können. Übrigens deutet auch der Name Byers (der Name eines von Morrells Arbeitgebern, des New Yorker Kaufmanns und Schiffseigners James Byers) auf den Morrellschen Ursprung dieser Falschmeldung. Laut Burton R. Pollin soll Morrells Ghostwriter der Zeitschriftenherausgeber und Schauspieldichter Samuel Woodworth gewesen sein.
Wenn daher auch Morrell vielleicht nicht der persönliche Urheber dieser und zahlreicher anderer Fälschungen ist, so hat er sie doch zweifellos – als offensichtlicher Auftraggeber Woodworths – billigend in Kauf genommen bzw. seinen Namen dafür hergegeben. Der „frisierte“ Inhalt seines Buches konnte ihm nicht völlig verborgen geblieben sein. Der verkaufsfördernden Wirkung von Woodworths Seemannsgarn hat Morrell damit seinen literarischen und wissenschaftlichen Nachruhm geopfert. Dies ist bedauerlich, denn “… the truth itself was quite interesting”.
- ↑ Edward Brooke-Hitching: Atlas der erfundenen Orte. Die größten Irrtümer und Lügen auf Landkarten. dtv Verlagsgesellschaft, München 2017, ISBN 978-3-423-28141-6, S. 168 (englisch: The Phantom Atlas. The Greatest Myths, Lies and Blunders on Mals. London 2016.).
- ↑ Benjamin Morrell: A narrative of four voyages, to the South Sea, North and South Pacific Ocean, Chinese Sea, Ethiopic and Southern Atlantic Ocean, Indian and Antarctic Ocean, from the year 1822 to 1831. New York 1832, S. 218 (englisch) (Benjamin Morrell: A narrative of four voyages. New York 1832 in der Google-Buchsuche)
- ↑ Henry M. Stommel: Lost islands. Vancouver 1984, S. 17–19 (englisch)
- ↑ Burton R. Pollin: Poe’s life reflected through the sources of ‘Pym’. In: Richard Kopley (Hrsg.): Poe’s ‘Pym’: critical explorations. Durham & London 1992, S. 95–103, hier S. 100 (englisch)
- ↑ Stommel, S. 26 f.