Calocerus von Ravenna

Calocerus (von altgriechisch Καλόκαιρος Kalókairos; † um 125) war ein legendärer Bischof von Ravenna, wie die meisten der frühen Bischöfe der Stadt. Calocerus wird als Heiliger verehrt. Sein Gedenktag ist der 11. Februar.

Calocerus war der Legende nach griechischer Herkunft. Er war möglicherweise als Soldat in Brescia stationiert. Bischof Apollinaris soll ihn zum Christentum bekehrt und zum Priester geweiht haben. Er wurde schließlich vierter Nachfolger des Apollinaris im Bischofsamt und soll im hohen Alter von 100 Jahren unter Kaiser Hadrian als Märtyrer gestorben sein. Sein hohes Alter entsprach der latinisierten Form seines griechischen Namens: καλός καιρός – „schöner Lebensabend“.

Die elf Nachfolger des legendären Bistumsgründers, also auch Calocerus, werden als Colombini bezeichnet, weil bei ihrer Wahl jeweils eine Taube erschien, die den geeignetsten Kandidaten bezeichnete, indem sie sich auf dessen Schulter setzte. Damit war der jeweilige Kandidat gleichsam von Gott selbst gewählt. Die Wahl durch die Taube wurde geradezu zu einem „Leitmotiv“ der Ravennater Kirchentradition.

  1. Oswald Holder-Egger (Hrsg.): Agnelli qui et Andreas Liber pontificalis ecclesiae Ravennatis. In: Monumenta Germaniae Historica. Scriptores rerum Langobardorum saec. VI–IX. Hahn, Hannover 1878, S. 265–391, hier S. 282 Anm. 1 (Digitalisat).
  2. Giulia Marchioni: Una tradizione ravennate: la colomba dello Spirito Santo e la Provvidenza, in: Giuseppe Garzia, Alessandro Iannucci, Mariangela Vandini (Hrsg.): Studi sul patrimonio culturale, Bd. 1: Il patrimonio culturale tra conoscenza, tutela e valorizzazione, Bononia University Press, Bologna 2015, S. 129–139, hier: S. 132.