Calpurnius Siculus
(Titus) Calpurnius Siculus war ein römischer Dichter im 1. Jahrhundert n. Chr., zur Zeit Neros.
Über das Leben des Calpurnius Siculus ist kaum etwas Sicheres bekannt; die antiken Quellen schweigen weitgehend, sodass Rückschlüsse im Wesentlichen nur aus seinem Werk gezogen werden können. Auch der Name ist unsicher überliefert; die Handschriften nennen unterschiedliche Vornamen, darunter Titus, Gaius und Lucius, während sich die Form (Titus) Calpurnius Siculus durchgesetzt hat. Das Cognomen Siculus wird meist als Hinweis auf eine Herkunft aus Sizilien gedeutet, kann jedoch ebenso als literarische Anspielung auf die sizilische Bukolik des Theokritos verstanden werden; eine sichere Deutung ist nicht möglich. Über seinen sozialen Stand lässt sich nur vermuten, dass er nicht der höchsten gesellschaftlichen Schicht angehörte; vielleicht war er ein Freigelassener oder wurde durch Adoption in die gens Calpurnia aufgenommen.
Erhalten sind von ihm sieben Eklogen (Hirtengedichte), die sich in vielem am Vorbild der Bukolik Vergils orientieren. Wie bei Vergil schildern einige der Eklogen (2., 3., 5. und 6.) Szenen aus einem idealisierten Hirtenleben, während andere (1., 4. und 7.) auf politische Themen anspielen, bei Calpurnius Siculus in Form einer Lobpreisung Neros als idealer Herrscher. In diesen Gedichten tritt mit der Figur des Corydon ein Hirte auf, der häufig als dichterisches Selbstbild des Autors interpretiert wird und sich ausdrücklich in die Nachfolge Vergils stellt. Unter ihm werde angeblich (vergleichbar der berühmten 4. Ekloge Vergils) das „Goldene Zeitalter“ ewigen Friedens wiederkehren.
Genannt wird auch ein Gönner, Meliboeus (ein traditioneller Name der Hirtenpoesie), in dem manche Wissenschaftler Gaius Calpurnius Piso gesehen haben, den späteren Anführer einer Verschwörung gegen Nero. Ähnliche literarische Verherrlichungen der Herrschaft des jungen Nero finden sich auch in der Seneca zugeschriebenen Apocolocyntosis und den anonym überlieferten Einsiedler Gedichten.