Cesare Borgia
Cesare Borgia (* 13. September 1475 in Rom oder Subiaco; † 12. März 1507 bei Viana, Navarra), 1. Herzog von Valentinois (als solcher il Valentino genannt) und der Romagna, Fürst von Andria und von Venafro, Graf von Diois, Herr von Piombino, Camerino und Urbino, war ein unehelicher Sohn von Rodrigo Borgia, dem späteren Papst Alexander VI. aus der spanischen Familie Borgia, die ursprünglich aus Borja bei Saragossa stammte und ins Königreich Valencia eingewandert war.
Er galt als hochbegabt, wurde zum Kirchenjuristen ausgebildet, erhielt bereits in früher Jugend kirchliche Pfründen, wurde 1491 Bischof von Pamplona, 1492 Erzbischof von Valencia und 1493 Kardinal – alles ohne jemals zum Priester geweiht worden zu sein. Nachdem sein jüngerer Bruder, der die Dynastie fortsetzen sollte, 1497 ermordet worden war, gab Cesare 1498 seine kirchlichen Ämter auf, kehrte in den weltlichen Stand zurück und heiratete 1499. Er wurde päpstlicher Legat und Feldhauptmann der Kirche. 1500 wurde er als Gonfaloniere zum obersten Befehlshaber der päpstlichen Truppen ernannt.
Als Gegenleistung für Waffenhilfe gegen das Herzogtum Mailand erhob ihn der französische König 1498 zum Herzog von Valentinois. Nach der Eroberung Mailands unterwarf er an der Spitze französischer und päpstlicher Truppen in drei Feldzügen bis 1502 die Städte und Fürstentümer der Romagna, wobei Leonardo da Vinci ihm als Militäringenieur technische Hilfe leistete. Der Papst erklärte die Romagna zu einem erblichen Herzogtum und belehnte damit seinen Sohn. Das Fernziel des Papstes und seines Sohnes bestand darin, aus ganz Mittelitalien einschließlich dem Kirchenstaat ein Königreich der Borgia zu formen. Daher enteignete der Papst innerhalb des Kirchenstaats die mächtigsten Familien des päpstlichen Adels und belehnte seine eigenen Kinder mit ihren Herzogtümern. Die Borgia beherrschten 1503 neben der Romagna auch die Marken, Umbrien und Latium, somit den gesamten Kirchenstaat außer Bologna und dem Herzogtum Ferrara, wo Cesares Schwester Lucrezia Borgia mit dem regierenden Herzog verheiratet war. Nun versuchte Cesare, auch Florenz und die Toskana zu unterwerfen, obgleich diese unter dem Schutz der Franzosen standen, denen Cesare schließlich weichen musste.
Nach dem Tod seines Vaters im August 1503 besetzte er den Vatikan und plünderte dessen Kasse. Er hatte die zwölf spanischen Kardinäle auf seiner Seite, paktierte aber heimlich mit den rivalisierenden Franzosen, um seine Herrschaftsgebiete zu sichern. Vor der Wahl von Papst Julius II. della Rovere, einem alten Rivalen seines Vaters, hatte er diesem die spanischen Stimmen im Konklave verschafft, gegen Zusicherung seiner Position als Oberbefehlshaber sowie seines Herzogtums und der Ländereien der Familie Borgia. Doch entmachtete und verhaftete ihn der neue Papst sogleich; damit riss er nicht nur den Kirchenstaat aus den Klauen Cesares, sondern vergrößerte ihn um die von Cesare eroberte Romagna. Nach gelungener Flucht nach Neapel ließ ihn König Ferdinand II. als Gefangenen nach Spanien bringen, wo er nach erneuter Flucht in das Königreich Navarra auswich, in dem sein Schwager Jean d’Albret regierte. Er kämpfte in dessen Diensten, bis er 1507 während der Belagerung der Festung Viana in einen Hinterhalt geriet und getötet wurde.
Cesare Borgia ist das wohl bekannteste Beispiel für Nepotismus am Heiligen Stuhl. Seine Ziele verfolgte er mit militärischer Gewalt, politischer List und schreckte weder vor Verrat noch vor zahlreichen Morden, auch an engsten Verwandten, zurück. Wenige Jahre nach seinem Tod thematisierte um 1513 Niccolò Machiavelli die skrupellose Herrschaft Borgias in seinem Traktat Der Fürst (Il Principe) als vorbildhaft für die Regierung eines Alleinherrschers, der seine machtpolitischen Ziele mit jedem zu Gebote stehenden Mittel durchsetzt. Der Begriff Machiavellismus hat hier seinen Ursprung.
- ↑ Giovanni Lochis: La Pinacoteca e la Villa Lochis alla Crocetta di Mozzo presso Bergamo. Arnaldo Forni Editore, Seconda Editione Bergamo 1858, S. 22 books.google.de.