Charaton

Charaton war ein Herrscher der europäischen Hunnen im frühen 5. Jahrhundert.

Nur sehr wenig ist über die Person Charatons bekannt. In den Quellen wird eine Gesandtschaft des oströmischen Kaisers erwähnt, an der auch der spätantike Geschichtsschreibers Olympiodoros von Theben teilnahm, dessen Bericht aber nur fragmentarisch erhalten ist. Demnach war Charaton über die Ermordung des Donatus erzürnt, wurde aber von den Römern durch Geschenke besänftigt. Unbekannt ist, ob der mit dem Schiff angereiste Olympiodoros ihn über die Adria in der ungarischen Tiefebene oder über das Schwarze Meer in der südrussischen Steppe aufgesucht hat. So ist auch unklar, ob Charaton Einfluss auf die Hunnen an der unteren Donau ausübte und wie groß sein Herrschaftsbereich war, worauf die Angabe, er sei (nur) „der erste unter den Königen der Hunnen“, schließen lässt. Er mag 412/13 eventuell als Nachfolger Uldins als eine Art Oberherrscher über die Hunnen im heutigen Ungarn fungiert haben. Allerdings macht die hier geschilderte Episode wohl eher deutlich, dass es zu dieser Zeit keine einheitliche Führung bei den Hunnen gab.

  1. Vgl. Warren Treadgold: The Diplomatic Career and Historical Work of Olympiodorus of Thebes. In: The International History Review 26, 2004, S. 709–733, hier S. 713 f.
  2. Olympiodoros, Fragment 18 = Fragmenta historicorum Graecorum, Band 4, S. 61.
  3. Bodo Anke: Zur Hunnischen Geschichte nach 375. In: Historisches Museum Speyer (Hrsg.): Attila und die Hunnen. Stuttgart 2007, hier S. 42.