Chinesischer Flussdelfin

Chinesischer Flussdelfin

Qiqi (淇淇, Qíqí), der letzte in Gefangenschaft lebende, im Institut für Hydrobiologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Wuhan gehaltene Chinesische Flussdelfin starb 2002

Systematik
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odontoceti)
Familie: Lipotidae
Gattung: Lipotes
Art: Chinesischer Flussdelfin
Wissenschaftlicher Name der Familie
Lipotidae
Zhou, Qian & Li, 1978
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Lipotes
Miller, 1918
Wissenschaftlicher Name der Art
Lipotes vexillifer
Miller, 1918

Der Chinesische Flussdelfin (Lipotes vexillifer), auch als Jangtse-Flussdelfin oder Baiji (chinesisch 白鱀豚, Pinyin báijìtún) bekannt, ist ein ausschließlich im mittleren und unteren Einzugsgebiet des Jangtsekiang beheimateter Flussdelfin. Er gilt seit den 1980er Jahren als eines der seltensten Säugetiere der Welt und wird seit 2007 als vermutlich ausgestorben betrachtet. Die letzte gesicherte Sichtung fand im Jahr 2002 statt. Bei umfassenden Untersuchungen in den folgenden Jahren konnten keine Hinweise mehr auf das Vorkommen der Art im Flussgebiet gefunden werden, sporadische jüngere Sichtungen konnten nicht wissenschaftlich bestätigt werden. Damit handelt es sich um das erste Aussterben eines großen Säugetiers seit dem Verschwinden der Karibischen Mönchsrobbe im Jahr 1952 und die erste Walart, die durch den Einfluss des Menschen ausgestorben wäre.

Der Chinesische Flussdelfin erreicht eine Länge von bis zu 2,50 Metern und ein Gewicht von bis zu 160 Kilogramm, wobei Weibchen oft größer sind als die Männchen. Er ist an das Leben im trüben Flusswasser angepasst, mit einer langen, schmalen Schnauze und einer kleinen Rückenfinne sowie breiten Flippern, die ihn von Meeressäugern unterscheiden. Historisch lebte er auf einer etwa 1700 Kilometer langen Strecke des Jangtsekiang und bevorzugte Bereiche in der Nähe von Sandbänken und Inseln. Sein Bestand nahm im 20. Jahrhundert infolge menschlicher Einflüsse durch Umweltverschmutzung, intensivem Schiffsverkehr, Überfischung, Elektrofischerei und dem Bau großer Staudämme wie der Drei-Schluchten-Talsperre rapide ab und trotz Schutzbemühungen konnte das Aussterben nicht aufgehalten werden.