Choix des poésies originales des troubadours
Choix des poésies originales des troubadours ist ein wissenschaftliches Werk in 6 Bänden von François Raynouard. Es erschien in Paris von 1816 bis 1821. Raynouard wurde mit diesem Werk zum Begründer der modernen Romanistik, fand aber in Frankreich wenig Aufmerksamkeit. Hingegen nahm der in Bonn lehrende Philologe Friedrich Diez den Ansatz von Raynouard auf und entwickelte ihn weiter. So entstand in Deutschland die irrige Vorstellung, die Romanistik sei „eine Bonner Erfindung“ und Diez ihr Begründer, was er selbst so nie gesagt hätte.
Die lange dauernde Unterbewertung des Werkes von Raynouard war auch in einem Fehler begründet, der nach ihm korrigiert werden musste, nämlich der Annahme, das Altprovenzalische sei nicht eine romanische Sprache wie alle anderen, sondern sei identisch mit der gemeinsamen gesamtromanischen Vorstufe dieser Sprachen, weswegen er das Altprovenzalische „langue romane“ nannte. Diese „Verzerrung“, die er aus der Tradition übernahm, hat die Anerkennung seiner Leistung geschwächt und seinem Ansehen bei den späteren Forschern geschadet.
Der Erste, der ihm in diesem Punkt widersprach, war in einer berühmten Rezension von 1818 August Wilhelm Schlegel. In seiner Antwort auf diese Rezension noch im gleichen Jahr scheint Raynouard seine Gleichsetzung von langue romane und Altprovenzalisch zu verleugnen, obwohl sie 1821 dem 6. Band des Choix des poésies originales wieder zugrunde liegt. Eine Erklärung könnte darin liegen, dass Raynouards Text von 1821 vor 1818 bereits fertig vorlag und bis zur Drucklegung nicht mehr verändert wurde.