Christgärtchen
Christgärtchen, Christbaumgärtchen, Paradiesgärtchen oder Weihnachtsgärtchen sind hölzerne Christbaumständer aus der Biedermeierzeit, die in bürgerlichen Kreisen üblich waren. Die Gärtchen waren ein Spielwerk für Kinder, das sie gewöhnlich zu Weihnachten bekamen.
Aus quadratischen (selten rechteckigen) Bodenplatten gefertigt, weisen sie einen rundum angeordneten kleinen Lattenzaun auf. In der Mitte der Bodenplatte ist ein Loch ausgesägt, worin der zur damaligen Zeit üblicherweise kleine Baum gesteckt wurde.
Christgärtchen waren vorwiegend im protestantischen Raum gebräuchlich, vor allem in Hessen, Niedersachsen, in Westfalen sowie im Erzgebirge, Vogtland und in Thüringen. In diesen wie ein Hortus conclusus umzäunten Gärtchen befanden sich neben einer Krippe verschiedene profane Szenen des meist ländlichen und kleinstädtischen Lebens. Sie wurden verschieden aufgefüllt, sei es mit kleinen Figuren und Bauwerken, Backwerk oder Äpfeln.
Die Gärtchen sind in Deutschland nicht mehr üblich, gelangten aber ihrerzeit durch deutsche Einwanderer in die USA und entwickelten sich dort zum Miniatur-Weihnachtsdorf (Christmas garden oder Christmas village).
- 1 2 3 Karl Baeumerth, Siegfried Becker: Brauchen und Gestalten: Materialien zur Sachkulturforschung: Andreas C. Bimmer zum 60. Geburtstag. Hrsg.: Hessische Vereinigung für Volkskunde. Band 39. Jonas Verlag, 2004, ISBN 978-3-89445-310-7, S. 102–104.
- ↑ Wilhelm Hoffmann: Vollständigstes Wörterbuch der deutschen Sprache. Band 6. Dürr’sche Buchhandlung, 1861, S. 623.
- ↑ Der Weihnachtsbaum. In: Christoph Daxelmüller (Hrsg.): Weihnachten in Deutschland: Spiegel eines Festes. Schnell & Steiner, 1992, ISBN 978-3-7954-1035-3, S. 60.
- 1 2 Sigrid Nagy: Die protestantische Krippenbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts. Hrsg.: Jahrbuch für Volkskunde. Nr. 26. Echter, 2003, S. 43.
- ↑ Tom H. Gerhardt: The Victorian Christmas Tree and Garden. In: Old-House Journal. Active Interest Media, Inc., November 1978, S. 121, 130 (google.de [abgerufen am 16. Dezember 2025]).