Cul-de-lampe (Typografie)

Cul-de-lampe ist die Bezeichnung eines im Buchdruck verwendeten typografischen Ornaments am Ende eines Kapitels oder Buchs. Es hat meist die Form eines nach unten zeigenden Dreiecks und ist mit dekorativen oder figürlichen Elementen gefüllt. Die von den Druckern und Setzern des 18. Jahrhunderts auch Finalstock genannten Elemente wurden von Formschneidern in Birnbaum- oder Buchsbaumholz angefertigt. Diese Bezeichnung ist auch noch Mitte des 19. Jahrhunderts gebräuchlich, aber nicht mehr an das Material Holz gebunden. Die Höhe des Ornaments entspricht der Schrifthöhe der Lettern. Die Breite des Ornaments beträgt nur einen Bruchteil der Textbreite des Satzspiegels. Der „Versuch eines wohl eingerichteten Wörterbuchs, Worinnen die meisten Kunstwörter, Welche So wohl in den Buchdruckereyen, als auch bey andern Profeßionen, so mit denselben eine Verwandtschaft haben, gebräuchlich sind“, gibt 1740 unter der Bezeichnung „Finalstöcke“ folgende Darstellung:

„Finalstöcke, heissen die Frantzosen Cu de lampe, teutsch werden sie s. v. Arsch genennet. Es sind allerhand in Holtz geschnittene Figuren und Zierrathen, welche man am Ende eines Wercks anbringt. Damit nun solche nicht bloß, das Pappier anzufüllen, da stünden, so sollten diese Stöcke vornemlich etwas vorstellen, das mit dem Text einen Verwandtschaft hätte. Ausser dem aber sollten sie niemals so breit, als die Breite des Drucks seyn, weil dadurch ein Ubelstand verursacht wird. […] Was die Höhe anlanget, so sollte man sich gleichfalls nach dem Platz des Pappiers und der Breite richten. Wenn man nach der Proportion verfahren will, so muss ein solcher Stock niemals einen regulairen Quadrat, oder Quadratum oblongum, als einen Rahm einschließen, welches aber wohl bey Vignetten, oder Anfangs-Leisten angehet.“

Christian Friedrich Gessner: Die so noethig als nuetzliche Buchdruckerkunst (1740)

Die bei Gessner falsch wiedergegebene französische Bezeichnung entstand aus der Form: „meist ein nach unten spitz zulaufendes Ornament, das an einen umgedrehten Lampenfuß erinnert.“ Da sich das Zierstück immer am Hintern des Texts befindet, bedienten sich die deutschen Buchdrucker der als ordinär geltenden Bezeichnung „Arsch“, was Gessner mit der voran gestellten Abkürzung s. v. = salve venia („Mit Verlaub“) verknüpft, also mit der Bitte um Erlaubnis, einen ansonsten anstößigen Ausdruck verwenden zu dürfen. Eine entsprechende Erläuterung findet sich auch in der Untersuchung über „Die deutsche Druckersprache“ von Heinrich Klenz, der zudem auf das Wort „culo“ in der italienischen Druckersprache verweist, das ebenfalls „Arsch“ bedeutet.

Das Typographischen Wörterbuch von Christian Gottlob Täubel kennt 1785 nur noch die deutsche Bezeichnung Finalstock, die auch in ästhetischer Hinsicht erläutert werden. Diese Zierstücke können in Holz oder in Metall ausgeführt sein:

„Finalstöcke sind aus Birn-, Aepfel- und Buxbaumholze geschnittene Figuren, oder auch aus Metall. Man bedient sich zuweilen derselben auf den letzten Seiten der Bücher, oder der Abtheilungen, Kapitel etc., wenn solche nicht ganz voll geworden. Der Finalstock darf nur so groß seyn, daß er nicht mehr als 1/3 des noch übrigen leeren Raumes der Seite einnimmt. Die Finalstöcke sollten jederzeit zugespitzt gemacht und niemals einer irgendwo gebraucht werden, welcher oben so breit ist, als dieselbe Columne, oder der fast viereckigt ausfällt. – Die Figuren und Vorstellungen der Finalstöcke oder Vignetten müssen mit dem Inhalte des Buches harmonieren, oder in Ermangelung dessen, indifferente gewählt werden, als: Blumwerk, Muschelwerk, Laubwerk etc. Man muß sich hüten, ebendenselben Finalstock, Leiste etc. in einem Buche zweymal vorzubringen und in verziert zu druckenden Büchern damit abwechselnd seyn.“

Christian Gottlob Täubel: Orthotypographisches Handbuch (1785)

Unter der Bezeichnung „Barocke Schlußstücke, 17./18. Jh.“ beziehungsweise „Schlußstücke mit Rankenwerk, 17. Jh.“ finden sich bei Luidl/Huber Beispiele in der Kategorie der Einzelstücke oder Ornamente aus einem Stück.

Da rund fünfzehn Prozent aller deutschen Drucke des 17. Jahrhunderts ohne Angabe eines Druckers oder Druckorts erschienen sind, wurden Versuche unternommen, die ornamentale Ausstattung in die Firmierung von Drucken einzubeziehen. Dabei finden auch die im bibliographischen Kontext „Schlussvignette“ genannten Finalstöcke Berücksichtigung.

  1. Art. Finalstock, in: Albert Hoepstein: Praktische Vorschule für den deutschen Buchhandel in merkantilischer, technischer und literarischer Hinsicht. Brockhaus, Leipzig 1844, S. 429.
  2. Art. Finalstöcke, in Christian Friedrich Gessner: Die so noethig als nuetzliche Buchdruckerkunst und Schriftgiesserey mit ihren Schriften, Formaten und allen dazu gehoerigen Instrumenten. Nachdruck Leipzig, Gessner, 1740. Schlütersche, Hannover 1981, S. 192
  3. Fachbegriffe des Antiquariatsbuchhandels
  4. Art. Cul-de-lampe, in: Joachim Elias Zender: Lexikon Buch, Druck, Papier. Haupt, Bern, Stuttgart, Wien 2008, S. 72.
  5. Art. Finalstock, in: Heinrich Klenz: Die deutsche Druckersprache. Trübner, Straßburg 1900, S. 43.
  6. Aus dem Besitz der e. von Seidel’schen Druckerei in Sulzbach i. B. Deutscher Buchgewerbeverein, Atlas zur Buchgeschichte, in: Archiv für Buchgewerbe 53 (1916), Heft 3/4.
  7. Art. Finalstöcke, in: Orthotypographisches Handbuch; oder: Anleitung zur gründlichen Kenntniß derjenigen Theile der Buchdruckerkunst : welche allen Schriftstellern, Buchhändlern, besonders aber denen Correctoren unentbehrlich sind ; Nebst einem Anhange eines typographischen Wörterbuches. Christian Gottlob Täubel, Halle/Saale und Leipzig 1785,S. 360-361.
  8. Philipp Luidl; Helmut Huber: Ornamente. Ornaments. 3., durchges. Aufl. Bruckmann (Novum press), München 1990, S. 39–41.
  9. Christoph und Gundula Boveland: Der Bär im Akanthus. Beobachtungen an einer Schlussvignette. In: William A. Kelly, Jürgen Beyer (Hrsg.): The German book in Wolfenbüttel and abroad. Studies presented to Ulrich Kopp in his retirement. University Press of Tartu, Tartu 2014, S. 83–99.