Cunninghams Völkerschau der „Aborigines“ 1883–1888

Cunninghams Völkerschau der „Aborigines“ 1883–1888 war eine Völkerschau (im heutigen Sprachgebrauch auch Menschenzoo), bei der eine Gruppe indigener Australier in Nordamerika und Europa zur Schau gestellt wurde.

Veranstalter der Schau war Robert A. Cunningham (1837–1907) aus Kanada. Er entführte im Januar 1883 eine Gruppe von neun Personen aus North Queensland nach Nordamerika, um sie ab Mai 1883 zunächst im Rahmen einer Völkerschau-Tournee von P. T. Barnum zur Schau zu stellen. In den USA verstarben im Februar 1884 zwei Männer der Gruppe. Im April 1884 setzte Cunningham die Tournee in Europa fort. Im Laufe des Jahres 1885 verstarben vier weitere Gruppenmitglieder. Die Völkerschau erwies sich für Cunningham als lukrative Einnahmequelle. Deshalb tourte er mit den drei Überlebenden von 1885 bis 1887 weiter durch Skandinavien, Russland und Südeuropa. Wahrscheinlich brachte er sie im April 1888 zurück nach Australien.

Verschiedene Anthropologen zeigten großes Interesse an der Völkerschau, denn die im deutschsprachigen Raum so genannten „Australneger“ galten im rassistischen Denken des 19. Jahrhunderts als „Urmenschen“ auf der untersten Stufe der „Rassenhierarchie“. Sie wurden als „Wilde“ und „Kannibalen“ stigmatisiert und deshalb besonders abschätzig beschrieben und behandelt.

  1. In der Kultur der indigenen Australier gilt es als pietät- und respektlos, die Bilder verstorbener Personen zu zeigen und zu veröffentlichen. Dieser sensible Umgang mit Portraits von Personen bezieht sich in der Regel aber auf einen relativ kurzen Zeitraum weniger Monate nach ihrem Tod, kann unter den über 200 Stämmen allerdings variieren. Es ist davon auszugehen, dass die Trauerphase der in diesem Artikel abgebildeten Personen als abgeschlossen gilt. Vgl. hierzu Indigenous cultural protocols: what the media needs to do when depicting deceased persons. Online unter: Special Broadcasting Service, 27. Juli 2017, abgerufen am 28. Januar 2025.