Dänische Sprachreskripte von 1851
Die Dänischen Sprachreskripte von 1851 waren eine sprachpolitische Maßnahme der damaligen, konservativ geprägten dänischen Regierung mit dem Ziel, den Sprachwechsel zum Deutschen in den mittleren Teilen des Herzogtums Schleswig aufzuhalten und Schleswig nach der Niederschlagung der Schleswig-Holsteinischen Erhebung 1848/1849 durch Angleichung der Sprache und Kultur stärker an das Königreich Dänemark zu binden. Zu diesem Zweck wurde Dänisch als Unterrichtssprache in 58 Gemeinden im mittelschleswigschen Bereich, in denen Dänisch noch verbreitet war, aber sonst oft schon überwiegend Deutsch gesprochen wurde, eingeführt. In den Kirchen sollte wechselweise auf Deutsch und Dänisch gepredigt werden. Gerichtsverhandlungen sollten sich der Sprache bedienen, die von den betroffenen Personen bevorzugt wurde.
Schleswig selbst war mehrsprachig, wobei im Norden das Dänische, im Süden das Deutsche und in Teilen Nordfrieslands das Friesische vorherrschte. In den mittleren Gebieten (wie in Angeln und auf der Geest) verlief im 19. Jahrhundert ein Sprachwechsel (language shift) vom Dänischen zum Deutschen. Die Sprachenfrage war bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein wichtiger Aspekt der Schleswig-Holstein-Frage gewesen. Durch den wachsenden Nationalismus gewann die Muttersprache als Ausweis der nationalen Identität immer mehr an Bedeutung. Die Sprachreskripte sind somit als Ausdruck des dänischen Strebens nach einem in Sprache und Kultur einheitlichen Nationalstaat zu verstehen. Auf Seiten der deutschgesinnten Schleswig-Holsteiner führte der Versuch der zwangsweisen Danisierung jedoch zu gesteigertem Dänenhass und war mitwirkend beim Auseinanderbrechen des dänischen Gesamtstaats. Nach der dänischen Niederlage im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 wurden die dänischen Sprachreskripte aufgehoben. In der preußischen Provinz Schleswig-Holstein wurde dann ab 1871 die dänische Sprache in Nordschleswig mit ähnlichen Maßnahmen unterdrückt.
- ↑ Basierend auf der Karte Sprachwandel in Schleswig 1840 des von der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinischen Geschichte herausgegebenen Historischen Atlas Schleswig-Holstein vom Mittelalter bis 1867, Neumünster 2004.
- ↑ Elin Fredsted: Eine etwas andere Sprachgeschichte - über mediale Diglossie bis zu den neuen Medien. In: Abraham P. ten Cate (Hrsg.): Grammatik Praxis Geschichte. mare Verlag, Tübingen 2010, ISBN 978-3-8233-6604-1, S. 308.