Der Brief in den Jemen
Der Brief in den Jemen (hebräisch אגרת תימן iggeret teman) ist ein Brief des jüdischen Arztes und Philosophen Maimonides an die jüdische Gemeinde des Jemen. Der Brief wurde höchstwahrscheinlich 1172 in Kairo (Fustat) verfasst. Der Brief hat zwei hervorstechende Intentionen: die jüdische Gemeinde gegen die Bedrohungen der Mahdiden zu stärken und gegen das Aufkommen von Messiasanwärtern und die Hoffnung auf Selbige zu imprägnieren. Es ist ein Werk, das sowohl als Verteidigung des jüdischen Glaubens als auch als Antwort auf die religiösen und politischen Herausforderungen jener Zeit diente. In Bezug auf das „islamische Tora-Verständnis“ äußert Maimonides im Brief seine Kritik an der Vorstellung, dass die Tora „verfälscht“ (Sure 5:13) sei, und bekräftigt seine Überzeugung, dass die jüdische Tora unverändert und die „wahre göttliche Offenbarung“ bleibt. Er gibt einerseits Aufschluss über die Fähigkeiten Moses Maimonides‘, Argumente aus verschiedenen Traditionen beziehungsweise Hermeneutiken der Religionen des Mittelmeerraumes und des Nahen Ostens zu kennen und miteinander zu verknüpfen. Andererseits gibt er Einblicke in den kulturellen Kontakt und wirtschaftlichen Verkehr zwischen Ägypten und der arabischen Halbinsel. Vieles, was in diesem Brief an Beschreibungen anklingt, konnte später durch Funde der Kairoer Geniza bestätigt werden.