Die Ermittlung
Die Ermittlung. Oratorium in 11 Gesängen ist ein Theaterstück des Dramatikers Peter Weiss von 1965, das den ersten Frankfurter Auschwitzprozess von 1963 bis 1965 mit den Mitteln des dokumentarischen Theaters thematisiert. Im Mittelpunkt stehen die Aussagen von Angeklagten und Zeugen, von Verteidigern, Anklägern und Richtern, die die Zuschauer zur eigenen Urteilsbildung aufgrund der Anklagen und Rechtfertigungen zwingen. In elf „Gesängen“ wird der Massenmord in Auschwitz erzählt als Weg der Opfer von der Ankunft an der Rampe bis zur Verbrennung der Leichen in den Öfen.
Bei der Ermittlung handelt es sich um das einzige Schauspiel, das in den Sitzungssälen von vier deutschen Parlamenten als szenische Lesung oder Theateraufführung dargeboten worden ist. Das Stück wurde am 19. Oktober 1965 im Rahmen einer Ring-Uraufführung an fünfzehn west- und ostdeutschen Theatern sowie von der Royal Shakespeare Company, London, uraufgeführt. Die Aufführungsorte in der Bundesrepublik und der DDR waren: West-Berlin und Ost-Berlin, Altenburg, Cottbus, Dresden, Erfurt, Essen, Gera, Köln, Leipzig, Leuna, München, Neustrelitz und Rostock. Weiss selbst nahm als Zuschauer am Auschwitzprozess teil und entwickelte sein Stück aus den Protokollen Bernd Naumanns.
Seit den 1990er Jahren wird das Schauspiel vielfach an staatlichen Gedenktagen und aus anderen Anlässen herangezogen, um im Rahmen der deutschen Erinnerungskultur an den Völkermord zu erinnern, den das deutsche NS-Regime während des Zweiten Weltkriegs mit großer Unterstützung aus der Bevölkerung an rund zwei Dritteln der damals lebenden europäischen Juden beging.
- ↑ Peter Weiss: Die Ermittlung. Oratorium in 11 Gesängen. Rowohlt, Reinbek 1969.
- ↑ Klaus Wannemacher: Die Ermittlung im Spiegel deutscher Erinnerungskultur. Dritte Darbietung in einem westdeutschen Landesparlament, in: Notizblätter. Mitteilungen der Internationalen Peter-Weiss-Gesellschaft, Nr. 60, Oktober 2025, S. 4 f.