Die Klage des Friedens

Die Klage des Friedens (lateinisch Querela Pacis) gilt als pazifistische Hauptschrift des Erasmus von Rotterdam, die er im Jahr 1517 anlässlich einer geplanten Friedenskonferenz im nordfranzösischen Cambrai geschrieben hat. Zu diesem ‚Gipfeltreffen‘ waren alle damaligen Herrscher Europas geladen. Erasmus war zu dieser Zeit Rat am Hofe der Burgunder in Löwen (Leuven) und Berater bzw. ‚Erzieher‘ des späteren Kaisers Karl V. Die Konferenz fand jedoch nicht statt. In dem Text fordert Erasmus eine starke Trennung der Kirche von allem Militärischem und die größtmögliche Anstrengung weltlicher Herrscher, gewalttätige Konflikte zu vermeiden. Eher sollen die Mächtigen auf Vermögen und Land oder sogar ihre Macht verzichten, als einen Krieg zu beginnen. Dies bedeute, Schuld vor Gott auf sich zu laden. Wichtig ist Erasmus auch die Widerlegung einer nach Cicero möglichen Ausgangssituation eines bellum iustum, da es in zwischenstaatlichen Auseinandersetzungen keine parteilose, beurteilende Instanz gebe und jede Seite schließe, dass ihre Sache die gerechte sei.

Auch wenn der damalige ‚Friedensappell‘ vielfach gelesen und gelobt wurde, eskalierten wenig später die Machtkämpfe um die Vorherrschaft in Europa zwischen England, Frankreich und Deutschland weiter, insbesondere die Kämpfe um Norditalien, und mündeten schließlich in ‚Glaubenskämpfe‘.

  1. Friedemann Stengel: Reformation und Krieg, in: Friedemann Stengel, Jörg Ullrich (Hrsg.), Kirche und Krieg. Ambivalenzen in der Theologie, Leipzig 2015
  2. Bainton, Roland H.: Erasmus. Reformer zwischen den Fronten 1972 Göttingen