Die Phönikerinnen

Die Phönikerinnen (auch: Die Phönizierinnen, Die Phoinissen, Die Phoinikerinnen, altgriechisch Φοίνισσαι) ist eine antike Tragödie des griechischen Dichters Euripides. Ihre Datierung ist umstritten, wird aber mittlerweile um 409/408 v. Chr. angesetzt. Die Tragödie war wohl Teil einer Tetralogie, ohne dass über die Namen der anderen Stücke Gewissheit besteht. Wurde sie früher mit dem Chrysippos, dem Oinomaos und einem unbekannten Satyrspiel zusammengestellt, so geht man heute eher von einer Zusammengehörigkeit mit der Antiope, der Hypsipyle und einem weiteren Stück, möglicherweise dem Orestes, aus.

Der überlieferte Text weist zahlreiche Interpolationen auf, was die Rekonstruktion des Originals erheblich beeinträchtigt und so weit führte, dass man sich der Frage nach dem Euripideischen an der Tragödie verweigerte oder eine nach-euripideische Schöpfung vermutete. Der Stoff stammt aus dem Mythos der Labdakiden und spielt in mythischer Vorzeit im böotischen Stadtstaat Theben. Mit den Phönikerinnen griff Euripides in eigener Deutung das Thema der Sieben gegen Theben des Aischylos auf und behandelte zugleich die Vorgeschichte der Antigone des griechischen Tragikers Sophokles neu.

  1. Zur Datierung siehe etwa Donald J. Mastronarde: Euripides: Phoenissae. Cambridge University Press, Cambridge 1994, S. 11–14; mit Datierung auf 409/408 v. Chr.: Christian Mueller-Goldingen: Untersuchungen zu den Phönissen des Euripides (= Palingenesia. Bd. 22.). Steiner Verlag, Wiesbaden 1985, S. 7–14; Datierung auf 408 v. Chr. Wolfgang Luppe: Zur Datierung der Phoinissai des Euripides. In: Rheinisches Museum für Philologie. Band 108, 1987, S. 29–34; ihm folgt Christiane Zimmermann: Der Antigone-Mythos in der antiken Literatur und Kunst (= Classica Monacensia. Band 5). Narr, Tübingen 1993, S. 139.
  2. In dieser Gruppierung erstmals zusammengestellt von Carl Werner Müller: Zur Datierung des sophokleischen Ödipus. Steiner, Wiesbaden 1984, S. 66–69; Donald J. Mastronarde: Euripides: Phoenissae. Cambridge University Press, Cambridge 1994, S. 13–14 lehnt den Orestes in der Gruppierung ab, zustimmend hingegen Christiane Zimmermann: Der Antigone-Mythos in der antiken Literatur und Kunst (= Classica Monacensia. Band 5). Narr, Tübingen 1993, S. 140 mit Anm. 165.
  3. Zu den Interpolationen und ihre Entdeckungsgeschichte siehe Donald J. Mastronarde: Euripides: Phoenissae. Cambridge University Press, Cambridge 1994, S. 39–48.