Dokumentarfotografie
Dokumentarfotografie ist ein allgemeiner Begriff, der sehr unterschiedliche Gebrauchsweisen der Fotografie umfasst. Diese reichen von technischen Anwendungen, zum Beispiel in der wissenschaftlichen Fotografie, über Fotografie mit einem konkreten Anwendungszweck im Auftrag, etwa dem Fotojournalismus bzw. der Reportagefotografie, bis hin zu künstlerischer Fotografie, die sich dokumentarisch versteht. Im 19. Jahrhundert wurde Fotografie grundsätzlich als dokumentarisch begriffen und beschrieben; erst mit der Entwicklung der Kunstfotografie um 1900 bzw. dem Piktorialismus wurde eine Abgrenzung notwendig. Der Begriff „dokumentarisch“ für eine spezifische Gebrauchsweise der Fotografie, die sich mit der Außenwelt beschäftigt, wird seit Ende der 1920er Jahre verwendet.
Um als Dokument verstanden werden zu können, braucht ein Foto eine Beglaubigung durch eine Bildunterschrift, die üblicherweise den Ort und das Datum enthalten muss. Zur Einordnung als Dokument ist auch die Einordnung in einen Kontext wie etwa eine Fotoserie dienlich. Allein können Fotos Geschichte nicht erklären, dafür wäre Text zuständig, aber sie können sie realistisch oder wahr erscheinen lassen. Was als dokumentarisch verstanden wird und was nicht, beruht im Großen und Ganzen auf Konvention und ist immer ein Wechselspiel zwischen der Fotografie und einer gesellschaftlichen Aushandlung. „Dokumentarfotografie“ ist also nicht unbedingt eine feststehende Eigenschaft einer einzelnen Fotografie, sondern eher eine Gebrauchsweise von Fotografien.
Der Begriff „Dokument“ stammt von dem lateinischen Ausdruck documentum = beweisende Urkunde.
- ↑ Beaumont Newhall: Geschichte der Photographie. Schirmer/Mosel, München 1989/1998, ISBN 3-88814-319-5, S. 243
- ↑ Abigail Solomon-Godeau: Wer spricht so? Einige Fragen zur Dokumentarfotografie, in: Herta Wolf (Hg.): Diskurse der Fotografie. Fotokritik am Ende des fotografischen Zeitalters, Band 2, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003, S. 53–74, hier: S. 54.
- ↑ Beaumont Newhall: Geschichte der Photographie. Schirmer/Mosel, München 1989/1998, ISBN 3-88814-319-5, S. 254.
- ↑ John Szarkowski: The Photographer's Eye. The Museum of Modern Art, New York 2007 (1966), ISBN 978-0-87070-527-4, S. 9.
- ↑ Pierre Bourdieu: Die gesellschaftliche Definition der Photographie, in: ders. u. a.: Eine illegitime Kunst. Die sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie, eva, Hamburg 2006 (1981), frz. 1965, ISBN 978-3-434-46162-3, S. 85–109, hier: S. 89.
- ↑ Bettina Lockemann stellt daher die Frage: Wann ist Fotografie dokumentarisch? Bettina Lockemann: Das Fremde sehen. Der europäische Blick auf Japan in der künstlerischen Dokumentarfotografie, transcript, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-8376-1040-6, S. 85–112.