Dschami (Dichter)

Nūru'd-Dīn ʿAbdu'r-Raḥmān-i Dschāmi (persisch نورالدین عبدالرحمن جامی, DMG Nūr ad-Dīn ʿAbd ar-Raḥmān-i Ǧāmī; und mit Titel Maulānā; geboren am 18. August 1414 in Chardscherd im Gebiet von Torbat-e Dscham in Chorasan, gestorben am 19. November 1492 in Herat), kurz Dschami genannt, war ein persischer Mystiker und Dichter. Als Sufi gehörte er der Nakschbendi-Tariqa an, die zu jener Zeit in Zentralasien eine politisch und kulturell wichtige Rolle spielte. Seine Ehrennamen „Licht des Glaubens“ (Nureddin) und „Säule des Glaubens“ (Imadeddin), sein Beiname „mächtiger Elefant“ („des Wissens“, Sinde Fil) und sein metaphorischer Name „Herr der Dichter“ (arabisch مخدوم الشعراء, DMG Maḫdūmu'š-šu‘ārā’) spiegeln die Wertschätzung in seiner Zeit. Der bereits im frühen 16. Jahrhundert und dann wieder im späten 18. Jahrhundert gewählte Ehrenname „Siegel der Dichter“ (arabisch خاتم الشعراء, DMG Ḫātamu'š-šu‘ārā’) verweist auf seine Rolle als Vollender der klassischen persischen Dichtkunst und nimmt damit Bezug auf die dem islamischen Religionsstifter Mohammed zugeeignete Bezeichnung „Siegel der Propheten“ (arabisch خاتم الانبياء, DMG Ḫātamu'l-anbiyā’) als Vollender der prophetischen Gottesoffenbarungen. Dschami selbst nennt sich in einigen Gedichten „Der Alte von Herat“ (Pīr-i Herāt).

  1. Michael Barry: Figurative Art in Medieval Islam and the Riddle of Bihzâd of Herât (1465–1535). Paris : Flammarion, 2004, S. 166 f.
  2. Die weiße Hand gehört zur neben Dschami stehenden Person.
  3. Cl. Huart u. H. Massé: D̲j̲āmī. In: Encyclopaedia of Islam, Second Edition. Edited by: P. Bearman, Th. Bianquis, C.E. Bosworth, E. van Donzel, W.P. Heinrichs. doi:10.1163/1573-3912_islam_SIM_1971.
  4. 1 2 3 Paul Losensky: JĀMI i. Life and Works. In: Encyclopaedia Iranica online. Abgerufen am 6. Dezember 2016.
  5. Chardscherd liegt in der heutigen iranischen Provinz Razavi-Chorasan.
  6. Sinde Fil ist eine Schreibweise von Žandapīl (kolossaler oder mächtiger Elefant), dem Tachallus des AḤMAD-E JĀM, mit dem Dschami dadurch verglichen wird.
  7. Zu den Ehrennamen siehe: Vinzenz Edler von Rosenzweig: Biographische Notizen über Mewlana Abdurrahman Dschami nebst Übersetzungsproben aus seinen Diwanen. Wien : Mechitaristen, 1840, S. 14 des E-Books.
  8. 1 2 Thibaut d’Hubert, Alexandre Papas: A Worldwide Literature: Jāmī (1414-1492) in the Dār al-Islām and Beyond. (Memento des Originals vom 28. Dezember 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Abgerufen am 27. Dezember 2017
  9. Vgl. Aufsatz über den Gebrauch des Begriffs „Siegel“.
  10. Pīr kann eine Altersangabe (Alter = Greis) sein, aber Dschami könnte auch darauf anspielen, dass er im Alter in Herat das Amt eines Pīr (eines Ältesten = Ordensvorstehers = Scheichs) eingenommen hat. Vinzenz Edler von Rosenzweig (1840) dazu: „Wiewohl Dschami von Mewlana Saadeddin Kiasch gar die Befugniss erhalten hatte als Scheich aufzutreten und zu lehren, so wollte er doch das ihm lästige Amt eines solchen Ordensvorstehers nicht ausüben und keine Jünger aufnehmen, so sehr er übrigens talentvolle Leute zu schätzen und an sich zu ziehen wusste. [...] Erst am Abende seiner Tage verstand er sich zur Aufnahme von Jüngern.“ Siehe hierzu Annemarie Schimmel.