Entdeckung der Kernspaltung
Die Entdeckung der Kernspaltung am 17. Dezember 1938 im Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie (KWI) in Berlin-Dahlem ist eines der bedeutendsten und folgenreichsten Ereignisse in der Geschichte der Naturwissenschaften.
Bei der Bestrahlung von Uran mit Neutronen entstanden Spaltprodukte des Urans, unter anderem das zuerst nachgewiesene Barium. Diese Tatsache musste jedoch erst erkannt werden. Da alle anderen Deutungsversuche nicht den Regeln der Physik gehorchten, war damit die Kernspaltung als neuartiger Kernprozess oder Kernreaktion entdeckt worden. Dieses entscheidende Ergebnis eines kernphysikalischen und radiochemischen Experiments von Otto Hahn wurde durch chemische Analysen seines Assistenten Fritz Straßmann bestätigt. Nach Angaben von Strassmann war das Experiment am 18. Dezember 1938 vollständig abgeschlossen und die Spaltung nachgewiesen.
Das Experiment wurde 1939 auch in den USA und anderen Laboren durchgeführt und bestätigt.
In interdisziplinärer Zusammenarbeit wurde dieses unerwartete Ergebnis im Januar 1939 durch Lise Meitner und Otto Frisch erstmals theoretisch und kernphysikalisch gedeutet. Unabhängig davon gelang Siegfried Flügge zusammen mit Gottfried von Droste eine vollständige physikalisch-theoretische Deutung unmittelbar nach Bekanntwerden der Entdeckung der Kernspaltung. Eine Theorie der Physik der Kernspaltung lieferten Niels Bohr und John A. Wheeler noch 1939, wobei Bohr die Theorie des Zwischenkerns bereits 1936 vorgeschlagen hatte. Die Theorie von Bohr-Wheeler sagte auch die spontane Kernspaltung voraus, die im Jahr 1940 von sowjetischen Forschern bestätigt wurde.
Dieser Artikel behandelt ausschließlich die Entdeckung der Kernspaltung. Weitere Details zu dem Kernspaltungsprozess finden sich in den entsprechenden Artikeln. Die Protonen und Neutronen im Atomkern werden durch die Kernkraft zusammengehalten, die theoretisch durch die Quantenchromodynamik beschrieben wird. Die Anwendungen der Kernenergie wird durch die Kerntechnik ermöglicht.
- ↑ MPIC: About the Max Planck Institute for Chemistry. MPI, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
- ↑ Institut für Kernchemie: Vorträge. Archiviert vom am 26. Januar 2016; abgerufen am 28. September 2025.
- ↑ Siehe die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)
- ↑ Günter Herrmann: Vor fünf Jahrzehnten: Von den „Transuranen“ zur Kernspaltung. In: Angewandte Chemie. Band 102, Nr. 5, Mai 1990, ISSN 0044-8249, S. 469–496, doi:10.1002/ange.19901020504 (wiley.com [abgerufen am 28. September 2025]).
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- ↑ O. Hahn, F. Strassmann: Über die Entstehung von Radiumisotopen aus Uran durch Bestrahlen mit schnellen und verlangsamten Neutronen. In: Die Naturwissenschaften. Band 26, Nr. 46, November 1938, ISSN 0028-1042, S. 755–756, doi:10.1007/BF01774197 (springer.com [abgerufen am 28. September 2025]).
- ↑ Hinweis: Das zweite Spaltfragment wäre hier Lanthan, das im Artikel weiter unten erwähnt wird.
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- ↑ Als Chemiker müßten wir aus den kurz dargelegten Versuchen das oben gebrachte Schema eigentlich umbenennen and statt Ra, Ac, Th die Symbole Ba, La, Ce einsetzen. Als der Physik in gewisser Weise nahestehende „Kernchemiker“ können wir uns zu diesem, allen bisherigen Erfahrungen der Kernphysik widersprechenden Sprung, noch nicht entschließen.
- ↑ O. Hahn, F. Strassmann: On the production of radium isotopes from uranium caused by irradiation with fast and decelerated neutrons⋆⋆⋆⋆⋆⋆. In: The European Physical Journal H. Band 41, Nr. 3, September 2016, ISSN 2102-6459, S. 261–264, doi:10.1140/epjh/e2016-70025-1 (englisch, springer.com [abgerufen am 29. September 2025] Neue englische Übersetzung des Originalartikels: Über den Nachweis und das Verhalten der bei der Bestrahlung des Urans mittels Neutronen entstehenden Erdalkalimetalle).
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- ↑ „In diesem Meßzimmer, am 18.12.1938, war der Schluß nicht mehr zu umgehen, daß eine Spaltung des Urans nachgewiesen war.“ und „Am 18.12.1938 wurden die Experimente endgültig abgeschlossen, danach der Bericht verfaßt.“ – Fritz Strassmann (Kernspaltung. Berlin Dezember 1938, 1978, Privatdruck)
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