Erweiterte Synthese (Evolutionstheorie)

Erweiterte Synthese der Evolutionstheorie (Extended Evolutionary Synthesis, EES) ist ein Konzept, das Mitglieder einer Gruppe von ursprünglich 16 (Altenberg-16), und danach von weiteren, Biologen und Biologie-Philosophen seit 2008 versuchen auch unter dem Titel Evolutionäre Entwicklungsbiologie (Evo-Devo) zu etablieren. Das Konzept bringt die Meinung zum Ausdruck, dass die bisherige Evolutionstheorie (genannt Synthetische Evolutionstheorie) aus verschiedenen Gründen erweitert werden müsse. Die Ideen stehen in der Folge von Kritik, die bereits zuvor an der synthetische Evolutionstheorie geäußert worden war, und führten zu der Vorstellung, dass diese Synthese einer Ausweitung bedürfe. Unterschiedliche Inhalte der erweiterten Synthese finden sich inzwischen unter diesem Begriff in Standardlehrbüchern und Handbüchern.

Die Gegner der Initiative kritisierten, dass der Begriff überflüssig sei, da die herkömmliche Theorie bislang alle neuen Entdeckungen übernommen und integriert habe. Im Oktober 2014 gab die Fachzeitschrift Nature beiden Seiten die Gelegenheit, jeweils eine ausführliche Stellungnahme zu veröffentlichen.

  1. Kevin N. Laland, Tobias Uller, Marcus W. Feldman, Kim Sterelny, Gerd B. Müller, Armin Moczek, Eva Jablonka, John Odling-Smee: The extended evolutionary synthesis: its structure, assumptions and predictions. In: Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences. Band 282, Nr. 1813, August 2015. doi:10.1098/rspb.2015.1019
  2. Massimo Pigliucci, Gerd B. Müller: Elements of an Extended Evolutionary Synthesis. In: Massimo Pigliucci, Gerd B. Müller (Hrsg.): Evolution - The Extended Synthesis. MIT Press, 2010, S. 8.
  3. Ron Amundson: The Changing Role of the Embryo in Evolutionary Thought The Routs of EvoDevo. 2005, S. 188.
  4. Sean B. Caroll: Evo-Devo – Das neue Bild der Evolution. Berlin 2008. (Orig.: Endless Forms Most Beautiful, USA 2006)
  5. John Dupré: Darwins Vermächtnis. (= Suhrkamp Taschenbuch. Nr. 1904). 2009.
  6. Eva Jablonka, Marion J. Lamb: Evolution in four Dimensions. Genetic, Epigenetic, Behavioral and Symbolic Variation in the History of Life. MIT Press, 2005.
  7. Marc W. Kirschner, John C. Gerhart: Die Lösung von Darwins Dilemma – Wie Evolution komplexes Leben schafft. Rowohlt, 2007. (Orig.: The Plausibility of Life. 2005)
  8. Staffan Müller-Wille, Hans-Jörg Rheinberger: Das Gen im Zeitalter der Postgenomik. Eine wissenschaftstheoretische Bestandsaufnahme. Suhrkamp Edition Unseld, 2009.
  9. Mary Jane West-Eberhard: Development Plastizity and Evolution. Oxford University Press, 2003, S. 29.
  10. Ulrich Kutschera: Evolutionsbiologie. 4. Auflage. UTB, 2015.
  11. Philip Sarasin, Marianne Sommer (Hrsg.): Evolution. Ein interdisziplinäres Handbuch. J.B. Metzler, 2010.
  12. K. Laland, T. Uller, M. Feldman, K. Sterelny, G. B. Müller, A. Moczek, E. Jablonka, J. Odling-Smee, G. A. Wray, H. E. Hoekstra, D. J. Futuyma, R. E. Lenski, T. F. Mackay, D. Schluter, J. E. Strassmann: Does evolutionary theory need a rethink? In: Nature. Band 514, Nummer 7521, Oktober 2014, ISSN 1476-4687, S. 161–164, doi:10.1038/514161a. PMID 25297418. Deutsche Übersetzung