Erzählung

Eine Erzählung (lateinisch narratio) ist eine Form der Darstellung als Wiedergabe eines Geschehens in mündlicher oder schriftlicher Form. Sowohl der Vorgang des Erzählens als auch dessen Ergebnis – eine Geschichte im Sinne der englischen Bezeichnung story – wird als Narration bezeichnet; mithin ist der Begriff der Narration prozess-/produktäquivok, worin sich Erzählung oder Narration mit Interpretation trifft, für die Gleiches gilt.

Die Gesamtheit jener merkmalbildenden Eigenschaften, die einen Akt als Erzählen kennzeichnen, wird Narrativität genannt; sie ist quantifizierbar und hilft, zwischen Chronik, Historie und Erzählung zu unterscheiden. Sie besteht einerseits darin, dass Geschehnisse in einen mehr oder weniger bewertenden Bezug zu Zeit und Raum gesetzt werden oder diesen zeiträumlichen Rahmen überhaupt erst erzeugen (Chronotopologisierung), und andererseits darin, dass im Akt des Erzählens die Art und Weise des Erzählens sinnkonstitutiv ist für den Inhalt der Erzählung.

Das Attribut narrativ wird auch für die Methode verwendet, Sachverhalte und Lehren in Form von Storys zu vermitteln. Ein Narrativ bezeichnet in anthropologischer Perspektive und in der Erzähltheorie (Narratologie) eine auf Geschichte bezogene Äußerung, die sowohl Inhalt als auch Subtext transportiert und deren Funktion es ist, Erlebtes in bekannte Kategorien zu bringen. Am 20. März wird der Weltgeschichtentag begangen.

  1. Eine „Erzählung“ beschreibt das „wie“, mit welchen Mitteln der Sprache und durch welche Motive (Genre, Gattungen) ein Tatbestand versprachlicht wird, eine „Geschichte“ beinhaltet alles „was“ erzählt wird (etwa Figuren, Szenen, Dramatis personae, Erzähltheorie), das „Narrativ“ stellt eine Reflexion dar und legt fest, „warum“ und „wozu“, in welchem Kontext erzählt wird. John Sutherland: 50 Schlüsselideen Literatur. Springer, Berlin/Heidelberg 2012, ISBN 978-3-8274-2899-8, S. 28–31; siehe auch Samira El Quassil, Friedemann Karig: Erzählende Affen. Mythen, Lügen, Utopien. Wie Geschichten unser Leben bestimmen. 4. Auflage, Ullstein, Berlin 2021, ISBN 978-3-550-20167-7, S. 141–147 Hieraus wiedergegeben ein Beispiel: Gen 1-24  Die „Geschichte“ handelt von einer Frau und einem Mann, sie werden aus einem exklusiven Garten geworfen, weil sie gegen die Auflagen, Obst von einem Baum zu pflücken, verstießen. Die „Erzählung“ ist die von Scham, Schuld(-bewußtsein) und Vertreibung. Das dominierende Narrativ könnte ein misogynes sein, und etwa lauten: „Frauen sind schwach und die Folgen ihrer Handlungen gefährlich.“
  2. White, Hayden: Die Bedeutung der Form. Erzählstrukturen in der Geschichtsschreibung. Frankfurt am Main 1990.
  3. Brück, Werner: Paradigmen der Narratologie. Bern, Norderstedt 2015.
  4. Narrativ, Sozial- und Kulturanthropologie, userwikis.fu-berlin.de, Version vom 14. Juni 2011.
  5. Weltgeschichtentag, abgerufen am 20. März 2023