Europide

Europide (entlehnt aus dem Griechischen für „den Europäern ähnlich, nach Art der Europäer“; englisch Caucasoid, Europid) ist eine irreführende rassenkundliche Sammelbezeichnung für die ursprünglichen Bewohner Europas, Nordafrikas, des Horns von Afrika, Vorder- und Teilen Zentral- und Südasiens sowie deren Abkömmlinge, die keine wissenschaftliche Grundlage mehr hat. Trotz ihrer Herkunft aus der Rassentheorie des Nationalsozialismus wurde die Bezeichnung Europide bis in die 2000er Jahre in der Anthropologie weiterbenutzt. Europide gehörten nach überholten Rassentheorien neben Mongoliden und Negriden zu den drei grundlegend unterschiedlichen Großrassen.

Die angeblich homogenen Eigenschaften der Europiden im Unterschied zu den anderen angenommenen „Menschenrassen“ wurden molekularbiologisch und bevölkerungsgenetisch eindeutig widerlegt. Jedes Gen hat seinen eigenen geographischen Verbreitungsschwerpunkt. Um die Existenz einer Rasse zu belegen, müssten die Verbreitungsschwerpunkte einer Vielzahl von Genen einer bestimmten Population weitgehend deckungsgleich und unterscheidbar von anderen Populationen sein. Es gibt jedoch keine einheitlichen geographischen Überschneidungen für alle Europäer (oder Skandinavier, Osteuropäer, Inder). Die äußerlichen Unterschiede zwischen den sogenannten „Europiden“ und anderen „Rassen“ repräsentieren lediglich einen sehr kleinen Teil der Erbanlagen, die auf die Anpassung an unterschiedliche Klimate zurückgehen. Die Bezeichnung europid gilt demnach als obsolet und hat keine wissenschaftliche Grundlage mehr.

  1. Heinz-Gerhard Zimpel (Hrsg.), Ulrich Pietrusky (Bearb.): Lexikon der Weltbevölkerung, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 3-11-016319-5, S. 148.
  2. Deklaration von Schlaining: Gegen Rassismus, Gewalt und Diskriminierung (Memento vom 10. Oktober 2020 im Internet Archive) (PDF), 1995, Abschnitt II: „Zur Obsoletheit des Begriffes der ‚Rasse‘“.