Evangelischer Namenkalender
Der Evangelische Namenkalender ist ein dem katholischen Heiligenkalender vergleichbares Verzeichnis, das vorwiegend Persönlichkeiten der vorreformatorischen Zeit und des Protestantismus enthält. Der Kalender wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter Federführung der Evangelischen Michaelsbruderschaft entworfen und 1969 vom Rat der EKD offiziell freigegeben. Die dabei angenommene Version ist jene, die im Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie Bd. 19 (1975) veröffentlicht wurde. Seit 1976 gibt es eine Fassung, die mit der nachkonziliaren Erneuerung des römisch-katholischen Regionalkalenders für das deutsche Sprachgebiet abgestimmt ist. Dadurch hat sich die Anzahl der von katholischen und evangelischen Christen am gleichen Datum begangenen Gedenktage erhöht. Der Namenkalender in seiner aktuellen Form ist im Sonn- und Feiertagskalender, den die Liturgische Konferenz in der Evangelischen Kirche in Deutschland herausgibt, als Anhang enthalten. Im Gegensatz zu seinem katholischen Pendant konnte sich der Evangelische Namenkalender jedoch im kirchlichen Leben nie etablieren. Die Ev. Michaelsbruderschaft sieht allerdings vor, dass in der Sext (Mittagsgebet) ein Lebenslauf des Tages aus dem Ev. Namenskalender vorgelesen wird. Im Kloster Kirchberg wird täglich im Mittagsgebet ein Lebensbild vorgetragen. Die Communität Casteller Ring legt Wert auf ein Gedenken in ihren Andachten.
Als „authentisches Begleitwerk“ zum Namenkalender bezeichnet Alexander Völker das dreibändige, in den 1960er Jahren erschienene Werk Die Wolke der Zeugen des Michaelsbruders Jörg Erb, das er so charakterisiert: „Eine eigenwillige Sprache mit bemerkenswert altertümelnden Wortwendungen, zuweilen recht ungewohntem Satzbau …, eine Darstellung voller Bilder, aber auch mit Klischees einer wirklich vergangenen Zeit; einmal ganz streng hieratisch geformt, dann wieder ‚altdeutsch‘-betulich oder rührend naiv anmutend – und das Ganze durchweg in einem hochgestimmten Ton als handele es sich tatsächlich um die Stimme der erzählenden, Gott über alles preisenden Mutter Kirche.“
Der Evangelische Namenkalender ist im Folgenden aufgeführt, wobei für jede Person nach dem Namen und den unten erklärten Symbolen das Todesjahr angegeben ist (vor Christus: astronomische Jahresbezeichnung, 0 statt 1 v. Chr., −1 statt 2 v. Chr. etc.).
- 1 2 Liturgische Konferenz: Evangelischer Namenkalender.
- ↑ Liturgische Konferenz in der EKD: Informationen zum Sonn- und Feiertagskalender
- ↑ Ev. Michaelsbruderschaft: Evangelisches Tagzeitenbuch, 2020, S. 17ff, 316 u. 320
- ↑ Alexander Völker: Communio Sanctorum. Der evangelische Namenkalender, 2004, S. 19.