Fandango
Die Bezeichnung Fandango (m., Wortherkunft unsicher) wird im spanischen und portugiesischen Sprachraum als Homonym für unterschiedliche musikalische und soziokulturelle Aktivitäten verwendet, womit eine konkrete Bedeutungszuweisung nur aus dem jeweiligen Kontext abzuleiten ist. So bezeichnet Fandango sowohl Tänze aus unterschiedlichen sozialen Milieus und unterschiedlicher Provenienz sowie die mit den Tänzen in Bezug stehenden oder als eigenständige Genres gepflegten Gesangs- und Instrumentalformen, als auch insbesondere in Lateinamerika mit Musik und Tanz verbundene soziokulturelle Praktiken sowie die zugehörigen Lokalitäten, Teilnehmer und ihre Verhaltensweisen. In der Umgangssprache und im Slang finden sich darüber hinaus weitere zumeist metaphorische Konnotationen, die in Komposita mit oftmals pejorativer Bedeutung seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert auch im angloamerikanischen Sprachgebrauch nachweisbar sind.
Von fandango abgeleitet ist das spanische Adjektiv fandanguero (m.), fandanguera (f.) das auch substantivisch gebraucht wird und je nach Kontext sowohl einen Liebhaber (aficionado) des Fandangotanzes, als auch ganz allgemein einen Tanzvergnügungen und Festivitäten jeglicher Art zugeneigten Menschen bezeichnen kann. In Bolivien hat sich das in Spanien nicht mehr gebräuchliche Verb fandanguear (‚an einem Tanzfest teilnehmen, feiern, sich vergnügen‘) erhalten. Diminuitivformen von fandango sind fandanguillo in Andalusien und fandanguito (auch fandanguito huasteco) im mexikanischen Bundesstaat Veracruz.
Die Bedeutungsvielfalt von Fandango spiegelt sich auch in seiner Wahrnehmung durch staatliche und internationale Institutionen wider. So wurde die Gesangsform des Fandango de Huelva 2010 als nationales Kulturgut Spaniens eingestuft, wohingegen das Museu Vivo do Fandango, eine Initiative zum Erhalt der in einigen Küstenregionen Brasiliens als Fandango bezeichneten traditionellen Zusammenkünfte und ihrer Musik im Jahr 2011 auf Antrag Brasiliens als soziale Praxis von der UNESCO in das Register guter Praxisbeispiele des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde.
Nachfolgend wird der Fandango in seiner Bedeutung als Bezeichnung für Tanz und Musik, als soziale Praxis (fandango social) und als Gattungsbezeichnung dargestellt.
- ↑ Vergl. hierzu die unterschiedlichen Definitionen im DRAE: fandango und ASALE Diccionario de americanismos: fandango; abgerufen am 29. Dezember 2025 (spanisch).
- ↑ Vergl. hierzu z. B. fandango girl (n.) ‚Prostituierte‘ (US-Slang, um 1850), in: Green’s Dictionary of Slang: fandango, n.; abgerufen am 31. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ DRAE: fandanguero, fandanguera; abgerufen am 29. Dezember 2025 (spanisch).
- ↑ ASALE Diccionario de americanismos: fandanguear; abgerufen am 30. Dezember 2025 (spanisch).
- ↑ Eduardo J. Sugrañes: El fandango de Huelva, primer palo flamenco que será declarado BIC. In: Huelva Información. 2. Mai 2010, abgerufen am 13. Januar 2016 (spanisch).
- ↑ Fandango's Living Museum. UNESCO Intangible Cultural Heritage, 2011, abgerufen am 16. Dezember 2024 (englisch).