Feindstaatenklausel
Die Feindstaatenklausel ist eine Klausel in den Art. 53 und 107 sowie ein Halbsatz in Art. 77 Charta (oder Satzung) der Vereinten Nationen (SVN), wonach gegen so genannte Feindstaaten (englisch enemy states) des Zweiten Weltkrieges von den Unterzeichnerstaaten Zwangsmittel ohne besondere Ermächtigung durch den UN-Sicherheitsrat verhängt werden konnten, falls die Feindstaaten erneut eine aggressive Politik verfolgen sollten. Die Feindstaatenklauseln wurden durch Resolution 49/58 der Generalversammlung vom 9. Dezember 1994 offiziell für „hinfällig“ (“obsolete”) erklärt, der Passus ist jedoch weiterhin in der Satzung enthalten. Sie schlossen auch militärische Interventionen mit ein. Als „Feindstaaten“ wurden in Artikel 53 jene Staaten definiert, die während des Zweiten Weltkrieges Feind eines Signatarstaates der UN-Charta waren (also primär Deutschland und Japan bzw. das Deutsche Reich und das japanische Kaiserreich, vgl. Achsenmächte).
In der heutigen internationalen Politik spielt die Feindstaatenklausel keine Rolle mehr. Nach ganz herrschender Meinung in der Völkerrechtswissenschaft ist sie (längst) obsolet.
- ↑ United Nations – General Assembley (Hrsg.): Report of the Special Committee on the Charter of the United Nations and on the Strengthening of the Role of the Organization. A/RES/49/58. New York 9. Dezember 1994 (englisch, un.org [PDF; abgerufen am 5. März 2022]): “Considering that the provisions of parts of Article 53 and the provisions of Article 107 have become obsolete”.
- ↑ Deutscher Übersetzungsdienst der Vereinten Nationen (Hrsg.): Bericht des Sonderausschusses für die Charta und die Stärkung der Rolle der Vereinten Nationen. Nr. 49/58 (un.org [PDF; abgerufen am 5. März 2022]): „Die Generalversammlung […] die Auffassung vertretend, daß die Bestimmungen von Teilen des Artikel 53 und die Bestimmungen des Artikels 107 hinfällig geworden sind […].“
- ↑ United Nations Regional Information Centre for Western Europe (UNRIC), Charta der Vereinten Nationen und Statut des Internationalen Gerichtshofs (PDF ( vom 21. Dezember 2021 im Internet Archive)).
- ↑ Bruno Simma: NATO, the UN and the use of force: legal aspects. In: European Journal of International Law. Band 10, Nr. 1. Oxford University Press, 1999, ISSN 0938-5428, S. 1–22, doi:10.1093/ejil/10.1.1 (englisch, oup.com [abgerufen am 5. März 2022] Originaltitel: NATO, the UN and the use of force: legal aspects. Policy Roundtables organized by the United Nations Association of the U.S.A. in New York and Washington, D.C. 1999. Als Veröffentlichungsdatum wird derzeit online 1999-02-01 genannt. Dies wäre jedoch vor der auf S. 1 genannten Veranstaltung (1999-03-11/12), auf dem die Veröffentlichung basiere.): “the mechanism of the so-called ‘enemy-state-clauses’ (Artivles 53 and 107) […] is now unanimously considered obsolete”
- ↑ Clemens E. Ziegler: Kosovo-Krieg der Nato 1999 und Irak-Krieg 2003. Völkerrechtliche Untersuchung zum universellen Gewaltverbot und seinen Ausnahmen. Peter Lang, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-631-58021-9, S. 191, Anm. 338.
- ↑ Christina Binder: Die Grenzen der Vertragstreue im Völkerrecht am Beispiel der nachträglichen Änderung der Umstände (= Beiträge zum ausländischen öffentlichen Recht und Völkerrecht, Bd. 245). Springer, Heidelberg 2013, ISBN 978-3-642-35093-1, S. 268 f., 298–300 m.w.N.
- ↑ Überleitungsvertrag und „Feindstaatenklauseln“ im Lichte der völkerrechtlichen Souveränität der Bundesrepublik Deutschland (PDF), Ausarbeitung WD 2 – 108/06, 21. Juni 2006; Zur Feindstaatenklausel in der Charta der Vereinten Nationen (PDF), Kurzinformation WD 2 – 3000-147/07, Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, 1. Oktober 2007.