Feminismus

Feminismus (über französisch féminisme abgeleitet von lateinisch femina Frau und -ismus) bezeichnet verschiedene soziale Bewegungen, insbesondere die Frauenbewegung. Der Feminismus setzt sich für gleiche Rechte und Privilegien von Frauen in Gesellschaft, Politik, Familie und Arbeitswelt ein. Er betont aber auch das spezifisch Weibliche und fordert Änderungen ein, wo dieses unterprivilegiert ist. Er beseitigt damit die gesellschaftliche und politische Benachteiligung von Frauen. In der Wissenschaft macht der Feminismus die für wissenschaftliche Erkenntnis hinderliche Diskriminierung von Frauen wahrnehmbar und setzt sich für deren Überwindung ein.

Feministinnen und Feministen analysieren die Geschlechterordnungen und treten für Gleichberechtigung, Menschenwürde und Selbstbestimmung von Menschen jeglichen Geschlechts ein. Sie wenden sich gegen Sexismus und versuchen diese Ziele durch entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Feminismus umfasst zudem politische Philosophien, welche die Gesamtheit gesellschaftlicher Verhältnisse im Blick haben. Auf Basis dieser Gesellschaftskritik kann ein grundlegender Wandel der sozialen und kulturellen Ordnung angestrebt werden.

Der Feminismus erlebte seinen Aufschwung in Europa mit den Emanzipationsbestrebungen von Frauen während der Aufklärung. Heute ist er eine weltweite Bürgerrechts- und Freiheitsbewegung. Während der Aufklärung hatte sich das Bürgertum zwar schrittweise vom Feudalsystem emanzipiert und das Ideal der Gleichheit aller Menschen ausgerufen. Allerdings zeigt sich in der Lebenswirklichkeit von Frauen in Neuzeit und Moderne dieses Ideal nicht verwirklicht. So ist die gesetzliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern zwar eine notwendige Voraussetzung, darüber hinaus müssen aber auch die tatsächlichen Zustände geändert werden, wenn in ihnen der Gleichheitsanspruch noch nicht eingelöst ist.

Unterschiedliche Kulturen und gesellschaftliche Verhältnisse können Frauen stärker prägen als das Geschlecht. Daher ist es heute nicht mehr üblich, ein weltweit einheitliches Verständnis von Feminismus zu entwickeln. Aus diesem Grund spricht man heute auch oft von Feminismen als einer der Denkbewegungen der Moderne.

  1. Claudia Breger: Identität. In: Christina von Braun, Inge Stephan (Hrsg.): Gender@Wissen: ein Handbuch der Gender-Theorien (= UTB Gender-studies, Kulturwissenschaften, Literaturwissenschaften). 2., überarb. und erg. Auflage. Nr. 2584. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2009, ISBN 978-3-8252-2584-1, S. 55–56.
  2. 1 2 Winfried Böhm, Sabine Seichter: Wörterbuch der Pädagogik. 18. Auflage. UTB, Paderborn 2022, S. 163.
  3. 1 2 Dieter Nohlen, Florian Grotz: Kleines Lexikon der Politik. C. H. Beck, München 2011, S. 173.
  4. 1 2 Wolfgang Funk: Gender Studies. UTB-Band-Nr: 4852. Wilhelm Fink, 2018, ISBN 978-3-8252-4852-9, S. 45.
  5. Klaus Schubert, Martina Klein: Das Politiklexikon. 7., aktualisierte und erweiterte Auflage. Dietz, Bonn 2020 (Online bei Bundeszentrale für politische Bildung).
  6. Ilse Lenz: Was ist Feminismus? In: gwi-boell.de. 25. Mai 2018, abgerufen am 1. August 2019.
  7. Sally Haslanger, Nancy Tuana, Peg O’Connor: Topics in Feminism. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): The Stanford Encyclopedia of Philosophy. Ausgabe Winter 2012.
  8. Claudia Opitz: Geschlechtergeschichte. Frankfurt a. M. 2010, ISBN 978-3-593-39183-0, S. 124.
  9. Ute Gerhard: Frauenbewegung und Feminismus. Eine Geschichte seit 1789. Beck-Verlag, München 2009, S. 6–7.
  10. Vgl. Barbara Holland-Cunz: Das Gleichheitsversprechen. Eine politische Ideengeschichte des modernen Feminismus. In: Barbara Holland-Cunz: Die alte neue Frauenfrage. Edition Suhrkamp, 2003, ISBN 3-518-12335-1, S. 17–18.
  11. Ilse Lenz: Feminismus: Denkweisen, Differenzen, Debatten. In: Beate Kortendiek, Birgit Riegraf, Katja Sabisch (Hrsg.): Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung. Band 1. Springer VS, Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-658-12495-3, S. 239.