Fluch des Pharao
Der Fluch des Pharao bezeichnet die Vorstellung, dass die altägyptischen Könige (Pharaonen) ihre Gräber mit magischen Sprüchen gegen Eindringlinge geschützt hätten. Dieser Fluch wird vorwiegend mit Todesfällen in Verbindung gebracht, die sich in den Jahren nach der Öffnung des Grabes des Tutanchamun (KV62) im Tal der Könige durch Howard Carter im Jahre 1922 ereigneten. Eine weitere Bezeichnung ist deshalb der Fluch des Tutanchamun. Anderen Gräbern in und außerhalb Ägyptens werden ebenfalls Flüche zugeschrieben, wenn die Grabesruhe eines Verstorbenen gestört wird.
Ihren Ursprung hat die Legende um den „Fluch des Pharao“ in den 1820er Jahren. Zu dieser Zeit fand nahe dem Londoner Piccadilly Circus eine bizarre Theateraufführung statt, in der Mumien ausgewickelt wurden (vgl. auch Mumien-Partys).
Es wird vermutet, dass die Schriftstellerin Jane C. Loudon dadurch zu ihrem Buch The Mummy!: Or a Tale of the Twenty-Second Century inspiriert wurde. Weitere Erzählungen um Mumien, darunter eine von Arthur Conan Doyle, folgten und gingen so der Entdeckung des Grabes voraus.
Die Geschichte um den „Fluch des Pharao“ findet zur Zeit der Entdeckung des Grabes des Tutanchamun im Tal der Könige und seiner Entstehung in der zeitgenössischen Berichterstattung der Tageszeitungen ein großes Medienecho, das auch in den folgenden Jahrzehnten in Literatur und Film unterschiedlich thematisiert wurde. Die Wirksamkeit oder Existenz eines derartigen Fluches im Zusammenhang mit der Öffnung des Grabes des jungen Königs oder anderen Gräbern ist nicht nachgewiesen. Der bis in unsere Zeit andauernde Glaube an den „Fluch des Tutanchamun“ beruht auf Aberglaube, Gerüchten, Fehlinterpretationen und Unverständnis alter ägyptischer Texte und ist die Auslegung verschiedener Ereignisse durch Journalisten oder Buchautoren.
Im Gegensatz zur Betrachtung als Magie bezieht sich der „Fluch des Pharao“ in den Darstellungen der Medien, über Jahre hinweg, offenbar alternativ nur auf die scheinbare Häufung von Todesfällen und den Versuchen, diese naturwissenschaftlich/medizinisch zu erklären, wie durch giftige oder strahlende Substanzen oder durch Krankheitserreger (Schimmel), die vielleicht sogar absichtlich zum Schutz des Grabs eingesetzt worden sein sollen. Mit diesen Deutungen wird die Existenz des „Fluchs“ bezweifelt.
Schließlich gibt es noch die scherzhaft abgewandelte Bedeutung vom „Fluch des Pharao“ als Reisediarrhoe (Reisedurchfall), eine tatsächlich häufige Darmerkrankung.
- ↑ Nicholas Reeves: The Complete Tutankhamun. London 1995, S. 64.
- ↑ Thomas Hoving: Der goldene Pharao Tut-ench-Amun. München / Zürich 1978, S. 202.
- ↑ Curse of the mummy's tomb invented by Victorian writers. In: The Independent. vom 31. Dezember 2000 (englisch).
- ↑ Dies geschah am 3. Januar 1924 oder wurde für die Aufnahme am 4. Januar 1924 nachgestellt. Fotograf war Harry Burton im Auftrag des Metropolitan Museum of Art (vgl. KV62). In der Auswahl des Griffith Instituts (Oxford) wird die Aufnahme (bezeichnet als p0643) auf den 4. Januar 1924 datiert. Laut Carters Tagebuch wurden die Türen des dritten und des vierten Schreins am 3. Januar 1924 geöffnet, anwesend war auch Burton (für Einzelheiten wird auf „Mace’s diary“ verwiesen). Aufnahmen Burtons von den Türen und dem Sarkophag sind jedoch lediglich für den 4. Januar vermerkt.
- ↑ Sowohl in der Presse als auch unterschiedlicher Literatur wird hierzu kein exaktes Datum oder Ereignis angegeben. Auch wird vergleichsweise oft nur Sargöffnung in diesem Zusammenhang genannt. Zwischen dem 5. November 1922 und dem 16. Februar 1923 kommen fünf verschiedene Tage als „Tag der Graböffnung“ in Frage. Darunter die ersten Durchbrüche der jeweiligen Türdurchgänge. Hinzu kommt die englische Bezeichnung official opening für Termine am 29. November 1922 und am 18. Februar 1923, die nicht als Graböffnung, sondern als Eröffnung o. ä. übersetzt werden sollte. Opening (of) the tomb kann damit auf sieben Tage zutreffen.