Fossillagerstätte Rott

Die Fossillagerstätte Rott ist eine wegen des Reichtums und der außergewöhnlich guten Erhaltung von fossilen Pflanzen und Tieren in der Paläontologie weltbekannte limnische Lagerstätte von Fossilien aus dem Oligozän beim Ortsteil Rott der Stadt Hennef (Sieg).

Vor etwa 23 bis 24 Millionen Jahren, im Spät-Oligozän (Chattium / Arvernium, MP 29-30), befand sich in einem feuchten und warm-gemäßigten bis subtropischen Klima an der heutigen Stelle Rotts ein nur wenige 10er Meter tiefer meromiktischer Süßwassersee (Rotter See) mit einem Durchmesser von über 3 km mit Zuflüssen und Abfluss, an dem Palmengewächse wuchsen und Krokodile und Schildkröten lebten und in dessen Schlammschichten sich viele Überreste von Pflanzen und auch Tieren in der Blätterkohle und in einem Kieselschiefer fossil erhalten haben. Die Mächtigkeit dieser abgelagerten Seesedimente der Rott-Formation beträgt zwischen 3 und 10 m. Da die Sedimentations- und Fossilationsbedingungen in Rott die gleichzeitige Erhaltung der Flora wie auch der Fauna ermöglicht haben, ist hier die im geologischen Sinn relativ genaue gleichzeitige chronostratigraphische Zuordnung der aufgefundenen Pflanzen- und Tierarten und in der Folge ein weitergehender Vergleich auch mit entfernten Vorkommen möglich. Gemäß der von Thomas Mörs veröffentlichten Erforschungsgeschichte der Fossillagerstätte Rott wurden dabei bis zum Jahr 1997 unter anderem 250 Pflanzenarten, 630 Insektenarten und 20 Amphibien- und Reptilienarten in etwa 470 Publikationen, die sich mit der Fossillagerstätte oder den einzelnen Fossilien selbst beschäftigen, beschrieben.

Über dem im Juli 1942 als flächiges Naturdenkmal ausgewiesenen ehemaligen Grubengebiet wurde gegen den Widerstand zahlreicher Wissenschaftler in mehreren Ausbaustufen bis 1986 ein Golfplatz angelegt. Auch weitere Versuche der Wissenschaftler, zumindest für das Areal zwischen den Abschlägen 6, 7 und 9 des Golfplatzes den Schutzstatus zu erhalten, scheiterten und der Golfplatz wurde mit seinen 18 Loch plus den vier Übungsbahnen realisiert. Nach Abschluss der Baumaßnahmen und der Anlage einer gepflegten Grasfläche wurde 1986 das Blätterkohlevorkommen zwischen Rott und Söven wieder als Bodendenkmal ausgewiesen.

System Serie Stufe  Alter (mya)
später später später jünger
P
 
a
 
l
 
ä
 
o
 
g
 
e
 
n
Oligozän Chattium 23,03

28,1
Rupelium 28,1

33,9
Eozän Priabonium 33,9

38
Bartonium 38

41,3
Lutetium 41,3

47,8
Ypresium 47,8

56
Paläozän Thanetium 56

59,2
Seelandium 59,2

61,6
Danium 61,6

66
früher früher früher älter
  1. Die Bezeichnung MP 29 bzw. MP 30 ist eine Abkürzung, die sich vom engl. Mammal Paleogene, d. h. Säugetier-Paläogen, ableitet. Bei der Untergliederung in die sogenannten europäischen Landsäugetierzonen werden im Paläogen aktuell 30 MP-Biozonen ausgewiesen. Innerhalb des Oligozäns folgt dabei die europäische Landsäugetierzone des Arverniums mit 6 Biozonen (MP 25-30) auf das Suevium mit 4 Biozonen (MP 21-24).
  2. Naturdenkmalbuch des Rhein-Sieg-Kreises Nr. 11, 22.7.1942
  3. Bodendenkmal B 3a-l Blätterkohlevorkommen. In: Denkmalliste Stadt Hennef (Sieg) – Teil B – Bodendenkmäler – Stand 2/2012 (PDF (Memento des Originals vom 23. Dezember 2019 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)