Gaius Sallustius Crispus (Freund des Augustus)

Gaius Sallustius Crispus († 20 n. Chr.) war ein römischer Ritter (eques Romanus) und einer der engsten Vertrauten und Berater des Augustus sowie später des Tiberius.

Crispus entstammte dem Ritterstand und war ein Enkel der Schwester des Geschichtsschreibers Sallust. Dieser nahm ihn entweder schon vor seinem Tod im Jahr 34 v. Chr. oder durch testamentarische Adoption in seine Familie auf. Seine Geburt dürfte nicht lange nach dem Jahr 55 v. Chr. gelegen haben. Nach der Schlacht bei Actium nahm Augustus – der den Besiegten großzügig vergab – offenbar auch ihn sowie die Angehörigen der Familien Cocceius und Dellius und die gesamte engere Gefolgschaft der ersten Stunde aus dem Lager seiner Gegner in seine Dienste. Demnach hatte sich Crispus zunächst der Partei des Marcus Antonius angeschlossen, genauso wie Marcus Cocceius Nerva und Quintus Dellius.

Er war ein enger Freund des „göttlichen“ Augustus. Obwohl ihm der Weg zu öffentlichen Ämtern durchaus offen gestanden hätte, folgte er – ganz wie Gaius Maecenas – bewusst keinem senatorischen cursus honorum, übertraf aber dennoch viele siegreiche Konsulare und Triumphatoren an tatsächlicher Macht und Einfluss. Er blieb römischer Ritter. Solange Maecenas lebte (also bis zum Jahr 23 v. Chr.), stand er ihm sehr nahe; danach wurde er der wichtigste Vertraute, auf dessen Schultern die geheimsten Angelegenheiten der Kaiser ruhten. Nach dem Tod des Augustus im Jahr 14 war er Mitwisser bei der Ermordung des Agrippa Postumus. Als im Jahr 16 ein falscher Agrippa Postumus auftrat, übertrug Tiberius ihm die Aufgabe, diesen aufzuspüren – was ihm auch gelang. Der Betrüger wurde gefasst und an Tiberius ausgeliefert. Im hohen Alter besaß er in der Nähe des Kaisers zwar mehr den äußeren Schein als die tatsächliche Macht. Er starb im Jahr 20.

Sein Lebensstil war ausgesprochen luxuriös und genussfreudig. Tacitus schreibt, nach außen hin habe er sich träge und lässig gegeben, doch darunter habe sich eine große geistige Kraft verborgen, die den schwersten Aufgaben gewachsen war. Horaz lobt in dem ihm gewidmeten Gedicht (verfasst vor 23 v. Chr.) ausdrücklich seine Freigebigkeit. Ähnlich preist ihn der Epigrammatiker Krinagoras in einem sicher vor dem letzten Jahrzehnt v. Chr. entstandenen Epigramm. Das Epigramm lobt Crispus’ Großzügigkeit und Reichtum (sowohl materiell als seelisch) und wünscht ihm kaiserliche Gunst und Aufstieg. Er scheint daher ein wichtiger Förderer von Dichtern gewesen zu sein. Ob die bei Horaz (um 35 v. Chr. oder kurz davor) erwähnten Verse über einen gewissen Sallustius, der allzu leidenschaftlich die Liebe von Freigelassenen suchte, tatsächlich auf ihn gemünzt sind, bleibt jedoch unsicher.

In seiner Nähe befanden sich – wie Krinagoras erwähnt – die Τρισσαὶ Τύχαι („Drei Fortunen“), also der Tempel der Tres Fortunae bei der Porta Collina. Diese Angabe bezieht sich zweifellos auf seine dort gelegenen Gärten, die später unter dem Namen horti Sallustiani bekannt wurden. Er scheint diese Gärten dem Kaiser Tiberius testamentarisch vermacht zu haben. Plinius der Ältere erwähnt ein besonders hochwertiges „sallustianisches“ Kupfererz aus dem Gebiet der Ceutronen in den Alpen, das nach dem Besitzer der dortigen Bergwerke benannt wurde. Demnach besaß er also Kupferbergwerke in dieser Region.

Sallustia Calvina war vermutlich entweder seine eigene Tochter oder die Tochter seines Adoptivsohnes. Falls sie seine leibliche Tochter war, hätte er offenbar eine Tochter oder Enkelin des Gnaeus Domitius Calvinus geheiratet. Eigene Söhne hatte er jedoch nicht. Er adoptierte Gaius Sallustius Crispus Passienus, den leiblichen Sohn des Lucius Passienus Rufus, der mit Sicherheit zu seinem Freundeskreis zählte.

  1. Tacitus, Annalen 3,30,2.
  2. Seneca, De clementia 1,10,1.
  3. Plinius der Ältere, Naturalis historia 34,3.
  4. Tacitus, Annalen 3,30,2.
  5. Ps.-Acro und Pomponius Porphyrio, Kommentare zu Horatius, Carmina 2,2.
  6. Tacitus, Annalen 3,30,3.
  7. Tacitus, Annalen 3,30,2 vgl. 1,6,3.
  8. Tacitus, Annalen 2,40,1 ff.
  9. Tacitus, Annalen 3,30,3.
  10. Tacitus, Annalen 3,30,1.
  11. Tacitus, Annalen 3,30,2 f.
  12. Tacitus, Annalen 3,30,3.
  13. Horaz, Carmina 2,2.
  14. Krinagoras, Anthologia Graeca 16,40 (online).
  15. Vgl. Vitruvius, De architectura 3,2,2.
  16. vgl. CIL 6, 9005; AE 1924, 118.
  17. Plinius der Ältere, Naturalis historia 34,3.