Ganggräber in Schleswig-Holstein

Die Einteilung der Ganggräber in Schleswig-Holstein, in eine Nord- und eine Südgruppe der Hünengräber erfolgte durch Ekkehard Aner, wobei die Eider in etwa die Grenzlinie darstellt. Da die Großsteingräber beiderseits der Eider mitunter jedoch ähnliche Formen aufweisen, kann die Zuweisung bei stärker gestörten Anlagen strittig sein. Ganggräber bestehen aus dem lateral ansetzenden Gang und einer Kammer mit mindestens sechs Trag- und zwei Decksteinen. Sie entstanden zwischen 3500 und 2800 v. Chr. als Megalithanlagen der Trichterbecherkultur (TBK).

„Neolithische Monumente sind Ausdruck der Kultur und Ideologie jungsteinzeitlicher Gesellschaften. Ihre Entstehung und Funktion gelten als Kennzeichen der sozialen Entwicklung“. Die Träger der Trichterbecherkultur bauten nach Schätzungen fast 30.000 Hünengräber. Über 7.000 Großsteingräber sind in Dänemark bekannt, von denen etwa 2.800 erhalten sind. In Deutschland sind 11.648 Gräber belegt. Johannes Müller vermutet, dass in Norddeutschland und Südskandinavien haben einst über 75.000 Monumente existiert haben.

Ganggräber sind (nicht nur) in Schleswig-Holstein deutlich seltener als die zeitgleichen Dolmentypen, was auch auf alle Nachbarregionen zutrifft. Wobei typologische Grundformen, die in Schleswig-Holstein vorkommen, z. B. auch in Dänemark, Mecklenburg-Vorpommern oder Niedersachsen vertreten sind. Die ovale Kammerform Schleswigs und das trapezoide Hünenbett Holsteins jedoch in weitaus geringer Zahl. Ein Teil der Anlagen ist eingetieft. Jutta Roß glaubt, dass eingetiefte Anlagen vermutlich keine Hügel besaßen. Zwar haben Hügel eine stabilisierende Funktion, da sie aber aufwendiger als Eintiefungen herzustellen sind, erfüllten sie auch andere Voraussetzungen.

  1. J. Müller in: Varia neolithica. VI, 2009, S. 15.
  2. Müller 2019: J. Müller, Boom and bust, hierarchy and balance: From landscape to social meaning – Megaliths and societies in Northern Central Europe. In: J. Müller/M. Hinz/M. Wunderlich (Hrsg.), Megaliths – Societies – Landscapes. Early monumentality and social differentiation in Neolithic Europe. Verlag Rudolf Habelt GmbH (Bonn 2019) 29–74. https://www.monument.ufg.uni-kiel.de/fileadmin/projekte/common/fmsd18/Megaliths_Societies_Landscapes_1.pdf
  3. „Schleswig-Holstein ist“ lt. Ernst Sprockhoff (1892–1967) „das klassische Land der Dolmen in Norddeutschland“.
  4. Für Schleswig-Holstein legt Jürgen Hoika (1941–2005) Zahlen vor, nach denen etwa 12 % der kleinen Ur- und Rechteckdolmen, aber weniger als 2 % der Ganggräber und Polygonaldolmen eingetieft sind. In den anderen Bundesländern dürften sich ähnliche Zahlen ergeben
  5. J. Roß: Megalithgräber in Schleswig-Holstein S. 9.